Willkommen bei Flurfunk Paulskirche

Der Podcast zur Nationalversammlung

FP11 - Erwählter Kaiser der Deutschen

30.04.2026 95 min

Zusammenfassung & Show Notes

Nach über einem Jahr Pause kehrt „Flurfunk Paulskirche" zurück in die Sitzungen der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche – und landet mitten in einem der dramatischsten Momente der deutschen Geschichte: der Entscheidung über das Reichsoberhaupt, die Frage des Wahlrechts und am Ende die Kaiserwahl selbst.

Die drei großen Streitfragen des Frühjahrs 1849


1. Republik oder Monarchie?
Die Folge beginnt mit einer Rede des Abgeordneten Alexander Falk aus Schlesien, der die Debattenlage prägnant zusammenfasst: Republikanisches Prinzip, Partikularismus und konstitutionelle Monarchie stehen gegeneinander. Falk votiert klar für die Monarchie und macht deutlich, dass die Republik im Parlament keine Mehrheit finden wird.
Als Kontrapunkt steht die berühmte Rede Ludwig Uhlands vom 23. Januar 1849: kein Kaiserhaupt werde über Deutschland leuchten, das nicht „mit einem vollen Tropfen demokratischen Öls gesalbt" sei. Abgeordnete wie Friedrich Jakob Schütz aus Mainz (Teilnehmer am Frankfurter Wachensturm) appellieren an Volkssouveränität statt Fürstenherrschaft – und warnen, ein Kaiser nach dem Vorbild der französischen Julirevolution von 1830 bedeute, auf halbem Weg stehenzubleiben.
Für die Monarchie plädieren dagegen Friedrich Ludwig Jahn, Begründer des deutschen Turnens, mit einem vergnüglichen, wenn auch konfusen Auftritt – sowie Gustav Rümelin aus Nürtingen, der als einer der wenigen Süddeutschen offen für den preußischen Erbkaiser eintritt und es mit einem „Sturzbad kalten Wassers" vergleicht, an das man sich gewöhnen müsse.

2. Wer darf wählen?
Parallel zur Kaiserfrage debattiert die Versammlung das Reichswahlrecht. Konservative Juristen warnen vor der „Pöbelherrschaft" (Ochlokratie) und dem Vorbild Frankreichs, wo das allgemeine Wahlrecht den Aufstieg Napoleons III. begünstigt habe. Die Linke – etwa Karl Fucht – hält dagegen: Das vorliegende Wahlgesetz enthülle die „offizielle Lüge" des Konstitutionalismus; man wolle gar nicht mit der Mehrheit des Volkes regieren.
In erster Lesung beschließt die Versammlung mit knapper Mehrheit einen Negativkatalog: Vom Wahlrecht ausgeschlossen werden sollen u. a. Personen unter Vormundschaft, im Konkurs – und alle, die öffentliche Armenunterstützung beziehen.

3. Die erste Lesung: Knappe Abstimmungen

Am 19. Januar 1849 scheitert das Direktoriums-Modell deutlich. Der Grundsatzantrag, die Würde des Reichsoberhauptes einem regierenden deutschen Fürsten zu übertragen, passiert knapp mit 258 gegen 211 Stimmen – die Erblichkeit dieser Würde scheitert in erster Lesung noch mit 263 gegen 211 Stimmen. Eine sichere Mehrheit für das Erbkaisertum fehlt.
Der Deal, die zweite Lesung und die Kaiserwahl
Zwischen den Lesungen verhandeln Heinrich Simon (Westenthal) und Heinrich von Gagern (Casino, Reichsminister) einen Kompromiss: allgemeines Männerwahlrecht gegen Zustimmung zum Erbkaisertum mit suspensivem Veto. Zusätzlichen Druck erzeugt die Nachricht vom 4. März 1849: Fürst Schwarzenberg oktroyiert Österreich eine eigene Verfassung und besiegelt damit den Ausschluss der Habsburger aus dem künftigen deutschen Nationalstaat.
Am 27. März 1849 nimmt die Versammlung in zweiter Lesung §69 mit 279 gegen 255 und die Erblichkeit (§70) mit 267 gegen 263 Stimmen an – vier Stimmen Unterschied. Am 28. März wählen 290 abgegebene Stimmen einstimmig König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum deutschen Kaiser. 405 Abgeordnete unterzeichnen anschließend die Verfassungsurkunde auf Pergament – ein Original, das sich heute im Historischen Museum Frankfurt befindet.

Die Kaiserdeputation in Berlin – und das Nein


Eine Deputation von 32 Abgeordneten unter Eduard Simson, Präsident der Nationalversammlung, bricht am 30. März über den Rhein nach Berlin auf – bewusst auf dem langen Weg über Köln, Hannover und Braunschweig, um unterwegs Stimmung zu machen. Am 3. April 1849 überreicht Simson dem König die Wahl im Rittersaal des Berliner Schlosses.
Friedrich Wilhelms öffentliche Antwort ist geschliffen und ausweichend: Er könne keine Entscheidung ohne das Einverständnis aller deutschen Fürsten treffen. Faktisch: ein Nein. In einem privaten Brief an seinen Cousin Ernst August von Hannover ist er deutlicher – die Krone der Paulskirche sei „keine Krone, wohl aber ein Hundehalsband, mit dem man mich an die Revolution von 48 ketten wolle."
Beim abendlichen Empfang beim Kronprinzen Wilhelm – dem späteren Kaiser Wilhelm I. – zeigt sich dennoch: Die Idee einer deutschen Einheit unter preußischer Führung ist in Berlin nicht ganz begraben. Wie es weitergeht,
erfahrt ihr in der nächsten Folge.

Personen dieser Folge


| Ludwig Uhland  | Abgeordneter, linkes Zentrum; Dichter
| Friedrich Ludwig Jahn  | Abgeordneter; Begründer der Turnbewegung
| Heinrich von Gagern  | Reichsminister; Casino
| Eduard Simson  | Präsident der Nationalversammlung
| Friedrich Wilhelm IV.  | König von Preußen; Gewählter Kaiser
| Felix zu Schwarzenberg  | Österreichischer Ministerpräsident
| Wilhelm I.  | Kronprinz Preußens; späterer Kaiser

Ergänzung: Im Podcast offen geblieben – wo Karl Marx sich im Januar 1849 aufhielt: Er lebte und arbeitete zu diesem Zeitpunkt in Köln, wo er von Juni 1848 bis Mai 1849 die Neue Rheinische Zeitung herausgab.

Transkript

Daniel
00:00:00
Ich glaube, Solveig, es lebt in uns durchweg die Überzeugung, dass die Stunde der Entscheidung geschlagen hat und dass wir von allen Seiten her dahin wirken müssen, diese Entscheidung herbeizuführen. Es muss jetzt endlich etwas geschehen, Solveig, sonst wird der Dom, ein gerne benutztes Symbol für den Bau der deutschen Einheit in Bezug auf eine Kirche in Köln, am Ende doch zu einer Bauruine verkommen. Hallo Solveig.
Solveig
00:00:53
Hallo Daniel.
Daniel
00:00:54
Ich habe nochmal geguckt, das ist über ein Jahr her. Oktober 2024 ist die letzte Folge von Flurfunk Paulskirche erschienen. Also wir haben eine Bauruine vor uns. Ich habe auch wirklich ein bisschen Probleme gehabt, mich wieder hineinzufinden in diese ganze Situation, obwohl einige wichtige Punkte, über die wir heute sprechen werden, mich eigentlich die ganze Zeit immer begleitet haben in meinem beruflichen Kontext, den einige unserer Hörerschaft ja letztens noch miterleben durften, wo wir uns auch länger aufgehalten haben im Raum zu 1848 in einer Ausstellung, die es jetzt nicht mehr gibt. Dieser Weg ist endgültig genommen, aber auch in der aktuellen Folge unseres Podcasts, unseres normalen Podcasts Flurfunk Geschichte geht es aktuell ja um eine Person, die hier auch eine entscheidende Rolle heute spielen wird. Aber hier blicken wir vor allem aus Frankfurt auf diese Geschehnisse und begeben uns nach so langer Zeit endlich mal wieder in Sitzungen der Nationalversammlung in Frankfurt am Main in die Paulskirche. Ja, und die Person, die wir gerade gehört haben, ist ein gewisser Alexander Falk aus Schlesien, aus der Fraktion Westenthal. Und jetzt habe ich den Spickzettel nicht mehr für dich. Und es lässt sich immer so schlecht verorten. Es handelt sich, glaube ich, um eine Abspaltung aus den Liberalen und Linken. Da gibt es mehrere. Wahrscheinlich hat er auch nochmal, Westenthal ist auch später erst gekommen, hat mal die Bank gewechselt. Erinnerst du dich überhaupt noch, wie wir eigentlich letztes Mal geendet sind? Nee. Wir haben Österreich ausgeschrieben.
Solveig
00:02:32
Weißt du noch?
Daniel
00:02:33
Das ist die große Schmerzensangelegenheit in der deutschen Geschichte. Dass die Österreicher heute denken, sie seien gar nicht mehr deutsch. So schlimm ist es am Ende gekommen. Und die Entscheidung wurde damals gefällt. Und auch bei der heutigen Frage muss man das quasi immer im Hintergrund noch mitdenken. Das sind zwei Diskussionen, Kaiser ja, nein, Deutschland mit Österreich ja, nein, die natürlich die ganze Zeit parallel stattfinden. Denn die Kaiserfrage oder die Reichsoberhauptfrage ist natürlich direkt damit verbunden, wer das am Ende machen soll. Und ja, es ist relativ schnell natürlich auf einen Kaiserdoch hinausgelaufen bei der Mehrheit des Hauses. Und ich dachte, wir steigen nochmal mit demselben Redner ein wie letztes Mal. Der Herr Falk wird gleich nochmal wiederkommen. Aber erstmal quasi, damit wir direkt anknüpfen können, an das Ende der letzten Folge möchte ich nochmal zurück zu Ludwig Uhland. Und der sitzt weiter links im Haus und hat sich am Ende der letzten Folge in seiner Rede darüber beschwert, dass die Österreicher jetzt gehen müssen. Und ihm sind wahrscheinlich ein paar Tränchen auch gekommen, als er davon erzählte, wie er jedes Mal die Adria rauschen hörte, wenn ein Österreicher das Wort ergriff. Und aus derselbigen Rede stammt aber eine viel bekanntere Sentenz, die jetzt hier zum Einstieg dienen soll und die sozusagen umschließt die Österreich-Frage. Und am Beginn dieser Rede vom 23. Januar zum Thema Erbkaisertum sagte er, ist denn unsere politische Neugestaltung von der monarchischen, dynastischen, aristokratischen Seite des bisherigen Staatslebens ausgegangen? Nein. Unbestritten von der demokratischen. Die Wurzel also ist eine demokratische. Der Gipfel aber schießt nicht von den Zweigen, sondern aus der Wurzel empor. Das wäre dem natürlichen Wachstum der neu erstehenden deutschen Eiche nicht gemäß. Wenn wir ihrem Gipfel ein Brutnest erblicher Reichsadler aufpflanzen wollten. Die Revolution und ein Erbkaiser, das ist ein Jüngling mit grauen Haaren. Zum Schluss, meine Herren. Verwerfen Sie die Erblichkeit, schaffen Sie keinen herrschenden Einzelstaat. Stoßen Sie Österreich nicht ab, retten Sie das Wahlrecht, dieses kostbare Volksrecht, dieses letzte fortwirkende Wahrzeichen des volksmäßigen Ursprungs der neuen Gewalt. Glauben Sie, es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Öls gesalbt ist. Lebhaftes Bravo und Beifallklatschen auf der Linken und im Linken Zentrum. Ja, das ist der berühmte Satz, oder? Da klingelt es doch auch noch bei dir so ein bisschen wenigstens. Oder? Nee. Demokratisches Öl, Tropfen demokratischen Öls. Nee. Geht mir das Herz auf und Andreas auch. Ich weiß es, der uns ja hört. Also irgendwie wird immer nur das nämlich zitiert. Und nie das Rauschen der Adria. Das sind sie schon drin auch erwähnte. Oder die Tiroler Berge. Das heißt, wir haben mehrere Fragen direkt auch hier schon wieder miteinander verknüpft. Das ist die Frage nach dem Kaiser oder sogar Erbkaiser. Dann Österreich ja oder nein, das haben wir letztes Mal schon entschieden. Aber er spricht hier auch vom Wahlrecht und auch das wird heute wichtig sein, damit man hier überhaupt zu einem guten Ende findet. Und ja, er hält diese großartige Rede mit dem Tropfen demokratischen Öls am Ende der ersten Lesung dieser Reichsoberhauptsparagrafen im Januar 1849, nachdem man da fünf Tage schon diskutiert hat. Und damit komme ich zurück zu Herrn Falk, der diese Debatte nämlich einläutet. Herr Falk beschreibt auch nochmal, worum es jetzt gehen soll natürlich in dieser folgenden Debatte. Die Schwierigkeit der Frage liegt darin, dass wir über die drei großen Prinzipien, das republikanische Element, den Partikularismus und das Prinzip der konstitutionellen Monarchie, zur Entscheidung kommen müssen. Diese drei sind es jetzt, die in dem Kampf für sich entgegentreten. Wenn wir sehen, wie ein Jedes sich zu stützen sucht auf alle Weise, selbst auf die edelsten Regungen des Volkslebens. wenn wir sehen, dass ein Jedes die gesuchte Unterstützung findet in dem, was dem Volke am höchsten steht. In den religiösen und materiellen Interessen, in den historischen Erinnerungen. Da kann uns allerdings bange werden für den Erfolg. Diese Versammlung, die nichts hat als ihre moralische Kraft, aber auch nichts anderes haben will als diese, soll das Endwort sprechen in dem gewaltigen Streit, der ganz Deutschland aufregt. Von dem einen Ende bis zum anderen, von den Alpen bis an die Küsten des Meeres. Sie wird ihr Wort sprechen. Beifall auf der rechten, Unruhe auf der linken. So, jetzt haben wir auch schon mal zwei Seiten gleich wieder mit reingebracht. Herr Falk wird noch deutlicher machen, dass er eher rechts tendiert. Denn das republikanische Element, wie schon angedeutet, gerät doch sehr schnell in die Minderheit. Und es sind vor allem die linken und äußersten linken Bänke, die daran festhalten wollen. Und Herr Falk fährt dann noch fort. Und wenn sie dasjenige trifft, Unruhe auf der Linken, was als Bedürfnis des gesamten Volkes sich herausstellt, dann wird ihre Entscheidung allmächtig sein. Mag man nun jetzt von unserer Ohnmacht sprechen, so viel man will? Bravo im Zentrum und auf der Rechten. Für die Spitze von Deutschland schlägt uns ein Minoritätserachten eine republikanische Form vor, einen Präsidenten oder Reichsstadthalter und jeder Deutsche soll wählbar sein. Ohne alle Beschränkungen, wie das Minoritätserachten will, wären die Amendements der Herrn Spatz und von Dieskau das zurückgelegte 30. Jahr und die Volljährigkeit zur Bedingung der Wählbarkeit machen. Andere Beschränkungen etwa, der Nachweis der sittlichen wissenschaftlichen und technischen Befähigung, vergleiche den Verbesserungsantrag des Schulausschusses zu den Grundrechten, sind nicht gegeben. Diese republikanische Form, die hier für Deutschland vorgeschlagen wird, erachte ich für den letzten Versuch der republikanischen Partei. Unruhe auf der Linken. Präsident Beseler, meine Herren, ich bitte Sie noch einmal, unterlassen Sie die Privatgespräche. Falk, Ihre Ansichten in Deutschland zur Geltung zu bringen. Ich kann mir wohl erklären, dass man sich für die Republik begeistern kann. Ich kann den Enthusiasmus begreifen, der in einzelnen Gemütern gerade für diese Staatsform lebt. Allein nicht ein theoretischer Grundsatz über die beste Staatsform darf uns leiten. Unruhe auf der Linken, Vizepräsident Beseler. Ich bitte um Ruhe. Der Sprecher hat eine sehr starke und vernehmliche Stimme, die das ganze Haus auszufüllen imstande ist. Aber bei solchen lauten Privatgesprächen würde es keinem Redner möglich sein, durchzudringen. Ich bitte nochmals dringend, die Privatgespräche zu unterlassen. Zuruf von der Rechten und dem Zentrum, das ist Absicht! Falk, es gibt keine absolut beste Form der Staatsverfassung, sondern jedes Mal diejenige ist die beste, die den Bedürfnissen der Zeit und des Volkes angemessen ist, für welche sie gegeben wird. Ich bin der festen, innigen Überzeugung, dass jetzt für Deutschland die republikanische Regierungsform nicht angemessen ist. Das Volk hat sie zurückgewiesen, entschieden zurückgewiesen. Es ist nicht unsere Sache, sie ihm aufzudringen. Wenn aber dereinst, meine Herren, die Ansicht, im deutschen Volke entschiedene Geltung gewinnen sollte, dass die Republik die alleinige Staatsform sei, durch welche es in seiner nationalen Entwicklung gefördert werden könnte, dann würde die republikanische Staatsform ebenso leicht, ebenso rasch, ebenso einmütig angenommen werden, wie im Frühjahr vorigen Jahres die demokratisch-konstitutionelle Monarchie. Unruhe auf der Linken. Vizepräsident Beseler Meine Herren, ich bitte um Ruhe, Wenn Sie keine Privatgespräche führen, wird der Redner sich vollkommen verständlich machen können. Trotz meiner wiederholten Aufforderung haben Sie nicht die Güte gehabt, die Privatgespräche zu unterlassen. Ich muss fast glauben, dass darin Absichtlichkeit liege. Von der Linken, oh, oh, zeigen Sie, meine Herren, ich bitte Sie darum, dass es keine Absichtlichkeit ist. Ich werde Ihnen sehr dankbar sein. Zeigen Sie es dadurch, dass vollkommene Ruhe im Hause herrscht. Also mit lauter ist immer noch ein Thema. Aber offenbar setzt man es jetzt gezielt ein, um Redner der gegnerischen Seite aus dem Konzept zu bringen. Und das ist auch generell, habe ich so das Gefühl, die Stimmung, die sich da Anfang des Jahres 1849 im Parlament langsam ausbreitet. Und natürlich gerade die, die offenbar immer stärker fühlen, dass ihre Ideale wie eine republikanische Verfassung es wahrscheinlich nicht schaffen werden, nachher in die Verfassung zu gelangen und versuchen sich jetzt hier doch mit der Galerie womöglich zu verbinden. Oder denen, die draußen auf der Straße demonstrieren, weil im Parlament die Mehrheit eher in eine andere Richtung geht. Aber lassen wir diese Richtung, bevor sie womöglich sich in das geschichtliche Abseits endgültig stellt, noch mal zu Wort kommen. Und zwar mit Hilfe des Abgeordneten Friedrich Jakob Schütz aus Mainz. Der sitzt im Donnersberg und war Teilnehmer am Frankfurter Wachensturm, für alle, die uns dort hören. Ich habe da jetzt nicht noch mal genau nachgeguckt, was damals in Frankfurt los war, ehrlich gesagt. dachte ich mir jetzt nur erwähnen, für all die, die sich da auskennen vor Ort.
Solveig
00:12:04
Aber ich meine, bei Mainz, da hat er ja auch eine gewisse Vorprägung.
Daniel
00:12:07
Ja, natürlich ist er auch nicht weit weg. Fährt man am Wochenende mal rüber und macht einen kleinen Aufstand.
Solveig
00:12:13
Ja, beziehungsweise man hat ja auch die Kommune Mainz vorher gehabt.
Daniel
00:12:17
Das stimmt natürlich. Man hat da so diese Franzosen, die sich da ihre Ideen festgesetzt mit Freiheitsbäumen und frügischen Mützen und dergleichen.
Solveig
00:12:26
Ist da vielleicht vorgefärbt.
Daniel
00:12:28
Ja. Und das sagt er uns jetzt hier auch nochmal. Eine geraume Zeit schon arbeiten sie an diesem zukünftigen Staatsgebäude. Und es wäre wohl möglich, dass nach so langer Zeit man den Boden und die Grundlage vergessen hätte. Darum erinnern wir uns, dass der Boden der Verfassung die Revolution, die Grundlage derselben wie die Volkssouveränität ist. Und vergessen wir es nicht in der Durchführung der heutigen Debatte. Dann angekommen zu diesem Schluss, frage man sich, ob das Wort Volkssouveränität oder Fürstenherrschaft auf dem Schlusssteine des deutschen Staatsgebäudes stehen soll. Als im Monat Mai das deutsche Volk seine Vertreter zur Nationalversammlung sandte, Da trug es ihnen auf, dem deutschen Vaterlande zerrissen, geknechtet und unglücklich durch einen langen Despotismus, die Freiheit, das materielle Wohl und die wahre Einheit zu geben. Viel ist gearbeitet worden in dieser Versammlung, viele Gesetze sind gemacht, aber abgesehen von dem Inhalte dieser Gesetze und abgesehen von dem, was minder oder mehr Gutes oder nicht von dem Volke gebilligtes darin liegen mag, rufe ich ihnen zu, blicken sie nach außen und untersuchen sie, was hat das deutsche Volk für seine Freiheit erlangt. Blicken Sie nach Wien und Berlin und fragen Sie sich, ob die deutschen Grundrechte dieses Minimum der Revolution dort in Ausführung gekommen sind. Ich glaube, dass Sie diese Säule des Staatsgebäudes nicht so errichtet haben, wie es das Volk erwartete. Erwägen Sie, was in Bezug auf das materielle Wohl des Volkes geschah. Ich glaube nicht, dass das deutsche Volk jetzt glücklicher ist und zu werden hofft, als es während der langen Jahre des Despotismus war, den es mit allen Folgen vernichtet zu haben glaubte. Und kommen wir zur Einheit, so ist es sicher ein verhängnisvoller Zufall, der uns heute zu der wichtigen Frage des Reichsoberhaupts führt. Dass uns heute die Lösung der Frage vorliegt, ob wir, um die deutsche Einheit zu gründen, einen deutschen Kaiser wählen sollen, heute, wo diese Räume noch von dem traurigen Streite widerhallen, den das Auftreten des monarchischen Prinzips hervorgerufen. Als das Volk aufstand und vergaß, dass es Fürsten gab, als es seine Gefühle aussprechen durfte, da war es dem Geiste nach republikanisch. Denn damals verschwand jeder Stammesunterschied, und sie hörten in jenen schönen Tagen, wo das Volk alles war, nichts von Angriffen auf die Österreicher oder auf die Preußen. Diese Angriffe gehen auch nicht aus dem Volke hervor, sondern sie sind der traurige Widerhall aller der dynastischen Kämpfe, welche unser Vaterland zerrissen haben. Welche einen Schnitt in das gemeinschaftliche Band machten. Darum wiederhole ich, dass wir auf die Diskussion mit Freuden eingehen, weil unser Prinzip am sichersten, am reinsten und schönsten aus derselben hervorgehen wird. Wie kann man heute behaupten, es sei, um die deutsche Einheit herzustellen, nötig eine neue Kaiser-Dynastie zu gründen? Haben wir nicht sogar von vielen Seiten Aussprechen hören, ohne dass es vom Reichsministerium in Abrede gestellt wurde, dass das Ausscheiden Österreichs die Gründung dieser Dynastie erleichtere. Hat man nicht behauptet, Österreich müsse hinaus, um dem preußischen Kaiser Platz zu machen? Und nach solchen Behauptungen, welche im ganzen Vaterlande wieder tönen werden. Besteigt man noch die Tribüne und sagt, nur in dem Prinzip der Monarchie liegt die Rettung der deutschen Einheit. Und das geschieht jetzt schon, nachdem man soeben 8 Millionen Deutsche aus dem Vaterlande hinausgewiesen hat, wo man konsequent sein will, man auch ihre Vertreter wird hinausweisen müssen. Trotzdem sagt man, nur in dem monarchischen Prinzip liegt die Einheit Deutschlands. Wenn darin nicht ein Widerspruch liegt, so weiß ich nicht, was ein Widerspruch ist. Meine Herren, stellen Sie keinen Kaiser an die Spitze Deutschlands, denn so schaffen Sie in Deutschland, was man im Jahre 1830 in Frankreich auch tat. Sie bleiben stehen in der Hälfte der Bewegung und sie bauen ein Werk, das sehr bald von der fortdauernden Bewegung der Zeit niedergerissen werden wird. Beifall auf der Linken. Einen guten Punkt eigentlich.
Solveig
00:16:22
Können ja nicht machen, was die Franzosen schon gemacht haben.
Daniel
00:16:24
Ja, was haben denn die Franzosen gemacht? Kannst du da nochmal für alle, die vielleicht jetzt gerade scharf nachdenken müssen, was 1830 in Frankreich so los war. Wieso sind denn die da stehen geblieben?
Solveig
00:16:34
Haben die den Bürgerkönig da geblieben?
Daniel
00:16:36
Genau, den Louis-Philippe. Das ist die Juli-Revolution, wo man dann, ich glaube es war Karl, Karl X. Weggejagt hat, der noch so richtig schön wie Louis auch so Porträts von sich hat malen lassen.
Solveig
00:16:47
War der noch nicht sogar Valois?
Daniel
00:16:49
Das war la Bourbonne.
Solveig
00:16:51
Entschuldigung, ja. Entschuldigung, das ist ja auch jetzt eine Seitenlinie, die sind schon verwandt.
Daniel
00:16:58
Bourbonen regieren in Frankreich.
Solveig
00:16:59
Aber die haben immer noch die Lilie.
Daniel
00:17:01
Die haben immer noch die Lilie, aber ist auch egal, auf jeden Fall.
Solveig
00:17:04
Worüber streiten wir hier eigentlich?
Daniel
00:17:06
Ludwig 18, ich glaube, da gab es noch mal irgendjemand dazwischen. Und dann 17, das war doch noch ein Kind, oder?
Solveig
00:17:12
War der schon gekrönt?
Daniel
00:17:13
Ich glaube, Louis 17 wird nur bei dem Monarchisten mitgezählt, ohne dass er jemals geherrscht hat. Der ist quasi in der Revolution einfach sagen und klanglos irgendwo verschwunden. Und dann gab es noch mal Louis 18. Und ich bin nicht sicher, ob da noch ein Bruder dazwischen war. Auf jeden Fall Karl X ist der Bruder von ihm, der Letzte.
Solveig
00:17:30
Ja, aber ich dachte, der 18. war auch ein Bruder.
Daniel
00:17:32
Ja, und schon haben wir wieder eine Hausaufgabe, die wir mitnehmen. Aber französische Geschichte war bis jetzt... Abgesehen vom Mittelalter noch nicht so ein Thema bei uns. Nur die spanischen Bourbonen, die sind einfach irgendwie cooler. Die Staufer waren. Ja, okay, das ist nochmal ein anderes Thema, anderer Podcast. Auf jeden Fall, der Karl X. musste weg in der Juli-Revolution und stehen geblieben, meinte er deshalb, weil man dann eben gesagt hat, wir nehmen wieder einen König. Wir machen eine Verfassung plus König. Louis Philipp kam dann dran, der auch Bourbonne ist und zwar dann Herzog von Orléans, also der ist aus der Nebenlinie, aber gleiche Familie. Und da waren ja nicht wenige Könige, unter anderem auch der damalige König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., der hier nochmal jetzt gleich seinen großen Karrieresprung machen könnte, wenn er den will, dann gar nicht so unglücklich, als die dann im Februar 1848 da den abgesägt haben, weil sie dachten, der ist selber schuld. Wer sich von der Revolution zum König machen lässt, der verdient es auch nicht anders, als sich dann wieder beseitigen zu lassen im Zweifel. Und umgekehrt, die Linken sagen natürlich, ja seht her, das hat doch nichts gebracht. Also wenn, dann müssen wir jetzt richtig durchziehen. Und ich finde es schon interessant, er hat ja auch nicht Unrecht, der deutsche Dualismus entsteht ja vor allem durch die Konkurrenz zweier großer Herrscherhäuser, bringt die Zerrissenheit in das deutsche Vaterland.
Solveig
00:18:52
Nur weil die Preußen sich einmischen.
Daniel
00:18:55
Nur weil die Preußen, ja weil die Preußen größer werden.
Solveig
00:18:58
Hätten sie sich mit dem zufrieden gegeben, was sie hatten, wäre nichts passiert.
Daniel
00:19:02
So und dann einfach nur für dich habe ich noch eine Rede, eine kurze. Aber es ist so schön. Es ist ein Star, der Paulskirch.
Solveig
00:19:14
Michnowski.
Daniel
00:19:14
Der ist tot. Robert Blum ist auch tot.
Solveig
00:19:17
Sie sind alle tot. Ich kenne sie tot.
Daniel
00:19:21
Nein, du kennst noch einen.
Solveig
00:19:23
Gagan?
Daniel
00:19:23
Ja, Gagan, der ist ja mittlerweile Reichsminister. Der sitzt zwar ab und zu da und macht auch mal Zwischenrufe oder berichtet halt für die Regierung. Nein, Friedrich Ludwig Jahn betritt das Podium. Ja, das haben sich wahrscheinlich viele gedacht.
Solveig
00:19:39
Er turnt doch noch ein bisschen was vor.
Daniel
00:19:40
Jetzt redet er schon wieder, so komisch. Der turnt vielleicht auch noch mal kurz was vor. Jahn von Freiburg, ADU. Verehrte Versammlung, unser großer Dichter Jean-Paul hat einmal gesagt, der Mensch kann überall geboren werden. Das wird niemand von der Versammlung bezweifeln, aber ich setze hinzu, nicht überall gleich gut. Auf der linken Unruhe und ruf Wiederholen, der Redner wiederholt den Satz, nicht überall gleich gut. Ich bin im Norden geboren, in der Mark Brandenburg, in einem Winkel zwischen Mecklenburg und Hannover. Habe als Knabe in drei sogenannte Herrenländer gelebt. Als Jüngling habe ich nie einen anderen Begriff gehabt als von der Einheit Deutschlands. Habe in mehreren anderen deutschen Ländern gelebt. Ich habe mich auf den Hochschulen, das werden mir meine alten Kameraden bezeugen, jederzeit von den sogenannten Pro-Patria-Paukereien ferngehalten, Heiterkeit. In diesem Geiste habe ich nachher die Turnerei hervorgerufen und die Burschenschaft, wovon ich zuerst 1798 gesprochen und 1811 die Ordnung und Einrichtung einer allgemeinen Burschenschaft in Deutschland umhergesendet, bis sie 1813 in Jena ins Leben getreten ist. Ehrenmitglied von der Burschenschaft bin ich nie gewesen. Ich habe mich davon ferne gehalten, um jüngere Herren nicht in ihrem Treiben zu beschränken als ein Leiter oder um eine Oberleitung über sie zu haben. Und so kann ich von mir sagen, am Anfang meiner Rede, womit ich meine Verteidigungsschrift in der demagogischen Untersuchungssache geschlossen habe, Als Kind habe ich für das Vaterland in frommer Erhebung gebetet, als Knabe geglüht, als Jüngling geschwärbt. Ich wundere mich, warum da nicht öfter mal Heiterkeit zwischen Gott. Entschuldigung, nochmal. Als Kind habe ich für das Vaterland in frommer Erhebung gebetet, als Knabe geglüht, als Jüngling geschwärmt, als Mann geredet, geschrieben, gestritten und gelitten. So halte ich das jetzt für die größte Genugtuung meines langen Lebens und Strebens, dass ich endlich einmal in öffentlicher Versammlung als Vertreter des deutschen Volkes reden kann für die Einheit und Freiheit Deutschlands. Lebhafter Beifall. Steht nicht von welcher Seite. Ich glaube, sie waren dankbar, dass er fertig ist. Aber ich glaube, es ging noch weiter. Aber ich dachte, man sieht vielleicht mal, ja, so richtig inhaltsschwanger.
Solveig
00:22:16
Ist das nicht.
Daniel
00:22:17
Ist das nicht. Ich erzähle euch jetzt erstmal, wer ich bin, was ich alles so gemacht habe. Also wüsstet ihr das nicht, aber wie toll ich bin.
Solveig
00:22:24
Burschenschaften.
Daniel
00:22:25
Burschenschaften, wenn ihr mehr darüber wissen wollt.
Solveig
00:22:27
Ich habe ein Buch geschrieben. Aber ich war nie ein Mitglied.
Daniel
00:22:31
Ein paar Inhalte für die Halbzeitpause. Wie böse Juden, Pfaffen und Franzosen sind. Und dann erzählt er noch einen Schwenk von seiner Zeit, als er sich vor Gericht verantworten musste.
Solveig
00:22:42
Wegen seinen Hetzkampagnen?
Daniel
00:22:44
Wegen der Demagogenverfolgung. Ja, wie hattest du das ausgedrückt?
Solveig
00:22:49
Volksverhetzung.
Daniel
00:22:50
Ja, klar. Ja, er fährt dann noch kurz fort zu den Minoritätserachten. Ich kann mir kein Volk anders denken, ohne Einheit und eine Freiheit, ohne Einheit, die Freiheit. Was? Entschuldigen Sie, Herr Jahn, bitte nochmal von vorne. Ich kann mir kein Volk anders denken, ohne Einheit und eine Freiheit, ohne Einheit. Die Freiheit kann... Als ich es gelesen habe, macht das irgendwie Sinn. Jetzt komme ich in den Satz nicht mehr rein. Ich kann mir kein Volk anders denken. Ohne Einheit und eine Freiheit ohne Einheit. Die Freiheit kann nur von der Einheit geschützt werden. Die Einheit ist die Mutter der Freiheit und die Tochter der Einheit ist die Freiheit. Das kommt ein bisschen durcheinander, glaube ich.
Solveig
00:23:45
Entschuldigung, aber was? Die Mutter, der Tochter ist die Fresse.
Daniel
00:23:52
Wer also die Tochter haben will, der halte es mit der Mutter. Kommentarklammer, große Heiterkeit und Beifall.
Solveig
00:24:07
Ich glaube, es hat auch damals, selbst wenn du es jetzt richtig vorgelesen hättest, wäre es trotzdem selbst.
Daniel
00:24:12
Ich habe es richtig vorgelesen. Ich habe es schon mehrfach erzählt, da im Museum, dass Herr Jahn sich nicht unbedingt einen Gefallen getan hat, seinem Image zu meinen, er müsste jetzt noch mal große Reden schwenken.
Solveig
00:24:24
Wie lange ist denn der schon bei der Arbeit, wenn er 1798 angefangen hat? Dann ist er jetzt ja auch nicht mehr der Jüngste.
Daniel
00:24:30
Na, er ist Anfang in den 70ern. Also für uns heute ist das nicht so viel.
Solveig
00:24:34
Aber für damals vielleicht schon.
Daniel
00:24:35
Vielleicht nicht mehr ganz so fit gewesen. Ich weiß nicht, warum ich noch mehr von ihm hören wollte.
Solveig
00:24:39
Vielleicht war es so lustig.
Daniel
00:24:41
Ich glaube, das war schon die beste Stelle. Und wie wollen wir bei dem Andrängen der Völker bestehen, die alle sich zusammenscharen und sich alle stärken, wenn wir nicht ein starkes, einheitliches Volk werden? Na gut, Klassiker. Wir sind hierher geschickt, um den neuen Bau des neuen Deutschlands zu begründen. Wie das alte Deutschland, wie das sonst Deutschland war, wissen wir alle. Wir alle haben darin gelebt. Das war ein Staatenstaat, in unendlichen Verfassungen und Verwaltungen verästet und verzweigt. Das war ein Sonderwesen, ein Sonderding, wie Schachteln ineinander geschachtelt, wo man nicht wusste, wo die Einheit war. Okay, doch. Bitte entschuldigt, aber.
Solveig
00:25:27
Es ist Jahren, über den darf man machen.
Daniel
00:25:29
Ja, auf jeden Fall. Wo man nicht wusste, wo die Einheit war, das soll nicht wiederkehren. Wir wollen etwas anderes. Wir wollen etwas Neues, Tüchtiges, Kräftiges, Dauerndes. Das muss zu Wege gebracht werden. Das kann nur durch eine tüchtige Einheit, durch eine Grundlage, die die Freiheit sichert. Und so wünsche ich denn, dass so wie ein Kutscher auf dem Bock ist, ein Lotse am Steuer, ein Lenker auf dem Feuerwagen, der Eisenbahn, ein Koch am Herd und ein Arzt am Krankenbette, einen erblichen Kaiser für Deutschland. Lebhafter Beifall im Zentrum und auf der rechten Rufnachvertagung. Ja, ist jetzt nicht so der begnadetste Redner. Der weiß auch gerade glaube ich nicht, ob er jetzt über das Turnen spricht oder über die deutsche Einheit.
Solveig
00:26:18
Er macht dann auch ein paar Hampelmänner.
Daniel
00:26:19
So kräftig. Ja, da gibt es ja auch diese Hampelmänner in diversen Ausführungen damals. Da kann man verschiedene Abgeordnete in so einem Set kaufen, also Bastelbogen und da Hampelmänner draus machen. Natürlich nicht nett gemeint gegenüber der Schwarzbude, wie ein späterer preußischer Reichsoberhaupt sagen würde. Und da hat er tatsächlich so Gewichte in der Hand. Diese ältere, alte, bärtige Jan und dieser Hampelmann hat dann so zwei Gewichte in den Händen. So, und es ist ja klar, wer kann jetzt erblicher Kaiser werden? Natürlich, und das sagt Dr. Jan, der seinen ersten Sportpark, seine erste Sportstätte, sagen wir mal, hier in Berlin in der Hasenheide seinerzeit hat einrichten lassen. Das kann doch nur Preußen machen. So, und da kannst du dir schon denken, dass es da dann doch nochmal Widerspruch gibt. Unmöglich, also vor allem im südlicheren Teil unseres heutigen Vaterlandes. Gibt es natürlich Leute, die sagen, wieso denn jetzt bitte die Preußen? Zum Beispiel Georg Philips aus München, ein Fraktionsloser, der, glaube ich, eher links in den Bänken zu finden war. Der möchte definitiv keine preußische Vorherrschaft und sagt dazu, ich ehre und achte auf das patriotische Gefühl derjenigen Männer Preußens, welche den Ruhm ihres Vaterlandes auch dadurch erhöht sehen wollen, dass mit demselben die Kaiserkrone verbunden würde. Allein auch das Gefühl der anderen Stämme muss hier berücksichtigt werden. Wir anderen haben auch ein Recht, in dieser Beziehung gehört zu werden. Und wir können jenen preußischen Patriotismus nicht teilen. Kein Mann in Deutschland berücksichtigt aber dieses Gefühl der anderen Stämme so sehr, als der König von Preußen selbst, indem er entschieden erklärt hat, eine Krone unter diesen Umständen nicht annehmen zu wollen. Indes ist es eine bekannte Sache, dass die Idee einer preußischen Oberherrschaft in dem Sinne, wie sie gegenwärtig beabsichtigt wird, schon lange besteht. Schon vor 20 Jahren erklärte ein preußischer Rechtsgelehrter in einem umfangreichen Werke, Preußen sei der Zeiger an der Weltuhr, Preußen sei die Riesenharfe, ausgespannt in dem Garten Gottes, um den Weltchoral zu leiten. Heiterkeit. Ich mache der preußischen Regierung keinen Vorwurf daraus, dass sie diesen Mann auf dieses Buch hin zum Professor der Rechte ernannt hat. Große Heiterkeit auf allen Seiten des Hauses. Ich habe versucht herauszufinden, wer das gewesen sein könnte. Ich glaube nicht Savigny. Ich glaube, der ist da schon in Rente. Ich weiß es nicht, auf wen er hier anspielt. Kann ich dir leider nicht sagen und euch. Das sind Auswüchse des Patriotismus, die man allerdings schonen darf, allein wenn eben dieser Autor gesagt hat, die Bitte im Vaterunser, dein Reich komme, sei seit den Zeiten Friedrichs des Großen überflüssig. So möchte es fast den Anschein haben, als ob manche ihn nur beschuldigten, er hätte sich um ein Jahrhundert verrechnet. Und als ob jetzt, nach ihrer Meinung, das Heil Deutschlands und der Welt allein vom preußischen Kaisertum zu erwarten sei. Wenn der Herr Beseler, der mit allen Teufeln streiten will, uns dieses Glauben machen will, wird es ihm nicht gelingen, wenn auch das ganze himmlische Heer, woran ich aber sehr zweifle, auf seiner Seite streiten sollte. Heiterkeit. Finde ich sehr lustig. Vor allem wüsste ich natürlich jetzt gerne, wer dieser Professor ist und ob der wirklich solche Sachen gesagt hat, dass die Bitte, dein Reich komme, überflüssig geworden ist, dank Friedrich dem Großen. Und dieser Herr Beseler, auf den er hier noch anspielt, die himmlischen Heere, das ist eine Rede, die Georg Beseler etwas vorher gehalten hat, von der rechten Seite und für das Kaisertum natürlich der Preußen. Und wo er dann am Ende sagte, und wenn die Welt voller Teufel wäre, wir bringen unser Werk doch zustande. Da sprach er von den dunklen Mächten, die man hier am Ende besiegen müsste, also die Linken.
Solveig
00:30:03
Ach so.
Daniel
00:30:04
Egal, auf jeden Fall. Teuer. Es gibt auch eine süddeutsche Stimme für den preußischen Reiser. Ja, und ich dachte deswegen verdient die gehört zu werden. Wenn du magst, darfst du das gerne lesen, dann musst du aber einen schwäbischen Dialekt versuchen nachzuahmen. Es handelt sich um Gustav Rümelin aus Nürtingen. Der sitzt im Augsburger Hof, also auch so liberal links eigentlich. Aber offenbar findet er einen preußischen Kaiser attraktiv.
Solveig
00:30:41
Meine Herren, ich will in den engeren deutschen Bundesstaaten, den wir hier zu Gründen berufen sind, den König von Preußen als erblichen König der Deutschen. Die allgemeinen politischen Gründe für diese Ansicht hier zu entwickeln, unterlasse ich. Ich will dieses einflussreicheren und berederteren Stimmen dieses Hauses überlassen, die es nach mir tun werden oder vor mir getan haben. Ich habe in dieser Frage nur das Wort erbeten, weil ich in einer von den wenigen Süddeutschen bin, welche entschieden auf dieser Seite stehen und weil ich wünschte, dass auch aus meinem engeren Vaterlander ein Zeugnis dafür abgelegt würde, dass es auch dort nicht an solchen fehlt, die sich in das Unvermeidliche fügen, die bereit sind, mancherlei Sympathien und Interessen um den Preis eines großen Vaterlandes hinzugeben. Bravo auf der Rechten. Allein das ist wahr. Wenn man nun dem Süddeutschen sagt, die deutsche Einheit sei ein preußisches Erbkaisertum, so ist das eine harte Lehre. Wer mag sie hören? Sie können sich darüber nicht wundern. Es ist auch für den Vorurteilslosesten bei uns gleichsam, als wenn man ihn unter einen Sturzbad kalten Wassers stellte. Es benimmt einem anfangs den Atem und man braucht einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat und wohl dabei fühlt. Die Norddeutschen, die Herren vom Freihandelsverein, kennen unser Land nicht. Sie sehen nur die schönen, rebenbegrenzten Berge und die anmutigen Täler, aber sie wissen nicht, dass um diese Berge und in diesen Tälern ein verarmendes Volk wohnt, für das der Boden nicht mehr ausreicht, der es zu ernähren hat. Sie wissen nicht, dass in diesen Tälern viel tausend arbeitslose und fleißige Hände sind, die nichts weiter verlangen, als dass sie wenigstens an den Hemden und Kleidern, die sie auf dem Leibe tragen, den Lohn der Arbeit selber verdienen. Da sprechen sie von künstlicher, unnatürlicher Industrie, die wir auf Kosten anderer gründen wollen, während wir nur das Natürliche und Notwendige fordern.
Daniel
00:32:32
Ja, klingt gar nicht so positiv. Also es klingt eher darum mehr, sich zu fügen in das unvermeidliche Schicksal, dass die Schwaben sich den Preußen nun mehr unterordnen sollten. Es ist nur eine vereinzelte Stimme. Man wird nicht viele andere süddeutsche Abgeordnete finden, die dieses Schicksal willig annehmen, wenn es denn sein muss, um vielleicht den Arbeitslosen in den Weinbergen wieder ein neues Hemd zu verschaffen. Das war nur die erste Lesung dieser Debatte um das mögliche Reichsoberhaupt und weil es dann doch vielleicht ein bisschen zu ermüdend würde am Ende, jetzt diese ganzen Abstimmungen auch noch vorzulesen, greife ich zurück auf eine spätere Darstellung des Abgeordneten Wilhelm Wichmann, den haben wir auch schon öfter zitiert. Der kommt aus Stendal, hallo Jojo, und sitzt im Casino, das war ja die größte Fraktion. Der beschreibt dann den folgenden Verlauf. Über die eigentliche Prinzipienfrage, ob Direktorium, Reichsstadthalterschaft oder Präsident, ob Monarchie, war schon am 19. Januar abgestimmt worden. Also Direktorium... Kommt jetzt ja auch gleich nochmal, wollte man quasi so eine Gruppe, so einen Vorstand für Deutschland. Reichsstatthalter, quasi so ein bisschen wie der Reichsverweser, nur neuer Name, weil dauerhaft. Oder Präsident war tatsächlich die Idee, man könnte ja eine deutsche Republik schaffen, aber in den Einzelstaaten könnten dann weiter die Könige herrschen. Auch ein bisschen komisches Konstrukt, wurde auch mehrfach dann entsprechend angesprochen.
Solveig
00:34:05
Leute, das ist Quatsch.
Daniel
00:34:06
Ja, also da war schon am 19. Januar abgestimmt worden und zuerst das auf sieben Köpfe verstärkte Direktorium, der Direktorial-Extrakt, wie der Paulskirchenhumor dieses Produkt der Herren von Rotenhahn und Co. Getauft hatte, mit 361 gegen 97 Stimmen verworfen. Nun erst gelangte der Prinzipalantrag des Ausschusses zur Abstimmung. Die Würde des Reichsoberhauptes wird einem der regierenden deutschen Fürsten übertragen. Er fand eine Majorität von 47 Stimmen, 258 gegen 211, worüber die Majorität in gewaltigem Jubel ausbrach.
Solveig
00:34:44
Das ist doch ganz wenig nur.
Daniel
00:34:47
Nee, die Differenz ist 47 Stimmen.
Solveig
00:34:49
Ja, eben.
Daniel
00:34:50
Also 258 sagen Ja.
Solveig
00:34:52
Ja.
Daniel
00:34:53
Kaiser. 211 haben gesagt, nein.
Solveig
00:34:57
Aber das ist wirklich knapp, meine ich damit.
Daniel
00:34:58
Es gibt noch knappere Abstimmungen heute. Also 47 ist schon komfortabel, würde ich sagen.
Solveig
00:35:06
Da finde ich jetzt schon zu sagen, alle wollen den Kaiser haben.
Daniel
00:35:09
Das hat ja keiner behauptet. Also im Nachhinein. Wir wollten das so. Aber natürlich, jetzt jubeln die alle, dass dieser Satz das schon mal reingeschafft hat. Aber Herr Wichmann sagt, zu voreilig. Denn dieser Beschluss statuierte keineswegs eine Präjudiz. für den Kern der Frage, das erbliche Kaisertum. Darüber sollte noch in zwei Sitzungen debattiert werden. Die Formel lautete, diese Würde ist erblich im Hause des Fürsten, dem sie übertragen wird. Sie vererbt im Mannesstamm nach dem Recht der Erstgeburt. Sie fielen mit 263 gegen 211 Stimmen, worüber nun die Linke mit der Galerie laut aufjubelte. Ja, also Erblichkeit ist durchgefallen. Aber wie gesagt, es war ja erst die erste Lesung. Es muss noch eine zweite Lesung geben. Und in der Zeit müsste man sich halt irgendwie mal arrangieren und irgendwie so ein paar Stimmen, die jetzt gefehlt haben, vielleicht doch noch zu akquirieren. Und da kommen wir zu dem anderen großen Thema, das halt hier auch schon in der ersten Rede, die wir heute gehört haben von Herrn Uland mitgeschwungen hat, nämlich die Frage des Wahlrechtes. Das läuft hier immer noch parallel im Januar 1949. Und da ist es eigentlich so ähnlich wie heute. Natürlich gibt es da, es war ein bisschen schwierig, ich das in der Zeit so zu nennen, aber tatsächlich gibt es schon den Begriff Partei. Auch jetzt nicht in dem Sinne, dass da jemand ein Statut hat und dann eine gemeinsame Fraktion bildet und so weiter, wie wir das heute kennen. Aber natürlich die Parteijungen im Parlament werden schon so verstanden. Und da gibt es ja durchaus dann schon taktische Interessen. Je nachdem, wie wird das Wahlrecht ausgestalten, ob ich da noch eine Zukunft habe in dem künftigen Reichstag. Da spielt das dann durchaus schon eine Rolle. Dass wir natürlich gewissermaßen auch mit, Der Definition der Wählerschaft, wer am Ende wählen darf, vielleicht auch die politische Ordnung, wie sie sich dann konkret nachher ausgestalten wird, auch mitbestimmen. Denn der künftige Reichstag wird ja auch durchaus an der Verfassung noch was ändern dürfen oder auch in der politischen Kultur das Ganze in eine bestimmte Richtung lenken. Also es könnte entscheidend sein, wer am Ende wählt und wie die Zusammensetzung dann des Parlaments womöglich dabei rauskommt. Und es gab einige Leute, die gesagt haben, wenn wir ein allgemeines Wahlrecht durchkriegen, dann akzeptieren wir auch die monarchische Ordnung, weil die wird sich dann im Laufe der Zeit irgendwann von selbst erledigt haben. Da sind ja unsere Leute in der Mehrheit, die wählen sich da rein und dann schaffen die irgendwann den Kaiser ab. Das war so ein bisschen die Idee. Kannst du dich denn noch erinnern, wie eigentlich dieses Paulskirchenparlament zustande kam? Wie damals noch die Bestimmungen waren? Wie diese Männer in... Haben die doch bestimmen? Nö, es gab doch freie Wahlen zur Nationalversammlung. Die Fürsten mussten das ja zugestehen in den Märztagen damals 1848, als das Volk so republikanisch gesinnt war angeblich. Für die eine Seite jedenfalls. Und dann gab es ja dieses Vorparlament, das diese Wahlregeln festgelegt hat. Das war unsere erste Folge damals, als ich quasi in der Zeitabfolge immer ganz schnell eine Folge nach der anderen machen wollte. Wow, hat das geklappt. Nur ist es halt so gekommen.
Solveig
00:38:21
So ist es so.
Daniel
00:38:21
Ja, also das Vorparlament hat damals bestimmt, dass selbstständige Männer ab 25 Jahren wählen dürfen und es wünschenswert wäre, wenn sie das direkt tun könnten. So war die Bestimmung. Und dann gab es halt die Frage, was genau ist selbstständig? Das durfte dann jedes Land quasi für sich selbst entscheiden. Und bei den einen waren es halt ziemlich viele, bei den anderen eher weniger Leute, die selbstständig dabei rauskamen. Manchmal durfte man direkt wählen, meistens aber doch eher indirekt. Und das sind im Grunde immer noch die gleichen Themen, die natürlich jetzt auch eine Rolle spielen, weil man es irgendwie doch für viele Menschen, also viele Abgeordnete in dieser Paulskirche irgendwie doch sehr unheimlich zu sein scheint, wenn jetzt da jeder Fabrikarbeiter und Handwerksgeselle plötzlich mitwählen sollen dürfen oder so ein Tagelöhner oder wer da noch so kreucht und fleucht.
Solveig
00:39:14
Wenn dann wirklich alle wählen, das ist schon irgendwie gruselig.
Daniel
00:39:17
Immer noch, wir sprechen natürlich in keinster Weise über Frauen. Das käme jetzt niemandem in den Kopf, womöglich sogar Frauen mit einzubeziehen.
Solveig
00:39:24
Das sind ja keine Rechtspersonen.
Daniel
00:39:26
Nein, eben, die sind ja auf jeden Fall nicht selbstständig.
Solveig
00:39:28
Nein, also das ist ja Quatsch.
Daniel
00:39:30
Man könnte sagen, selbstständige Männer und Witwen.
Solveig
00:39:33
Die sind auch nicht selbstständig, wenn die Söhne haben.
Daniel
00:39:35
Ach so, ja. Ach ja, na gut, also dann doch wenigstens vielleicht die Arbeiter und Gesellen. Aber die meisten wollen das dann doch lieber beschränken, damit es nicht ganz so unheimlich ist. Also am besten wäre es sowieso indirekt wählen zu lassen, weil dann hat man da schon mal so einen Filter. Dann können die Bauern und so halt irgendeinen Wahlmann mitbestimmen und das ist dann aber natürlich jemand, der ja mal studiert hat und was zu verlieren hat und der wird sich dann schon kümmern.
Solveig
00:39:59
Wie in den USA.
Daniel
00:40:00
Wie in den USA. Aber hier geht es ja um das Parlament sogar. Also nicht nur um den Präsidenten, sondern jeder einzelne Abgeordnete wird dann, so ist es ja teilweise gelaufen, dann von irgendwelchen Wahlmännern. Das hat natürlich auch einen praktischen Grund. Stendal hat einen Bahnanschluss, aber Jericho in der Altmark, wie soll denn der Bauer jetzt aus Jericho mal eben irgendwie nach Stendal am Wochenende wählen? Schickt man halt einen Wahlmann dahin. Oder wir können das über Steuer einschränken, das ist natürlich immer sehr naheliegend auch, damit, ich zitiere jetzt keine konkrete Person, aber es kommt dann manchmal so vor, damit nicht die ungebildete rohe Masse hiermit bestimmt. Das wäre ja unangenehm für so Juraprofessoren.
Solveig
00:40:40
Wie? Die sind dann wahrscheinlich auch nicht gewaschen oder so.
Daniel
00:40:44
Das sollten wir lassen. Und ich zitiere jetzt nochmal zwei Juristen, die nicht in der Paulskirche gesprochen haben, aber im Umfeld der Paulskirche sich Gedanken darüber gemacht haben, wie man dieses Wahlrecht dann ausgestalten könnte. Damit da nichts Schlimmes passiert.
Solveig
00:41:01
Damit wir das auch so durchkriegen, wie wir das wollen.
Daniel
00:41:05
Der eine kommt aus Heidelberg und heißt Karl David August Röder. Der sagte, beruft man zu wählern, alle ohne Unterschied, falls sie nur männlichen Geschlechts volljährig und nicht unselbstständig, ein, auch wenn man ihn auf die bürgerliche Stellung beschränkt, sehr vieldeutiger Ausdruck und nicht befleckter Ehre sind. So liegt darin doch keineswegs eine oder doch nicht eine zureichende Gewähr, dass nicht wenigstens in manchen Gegenden die Mehrzahl der Wähler untüchtig sei, also eine tote Masse den Ausschlag geben werde über den lebendigen Geist, über die Einsicht und Redlichkeit. Wir würden es daher für einen großen Verstoß gegen alle gesunde Politik, für eine höchst gefährliche Scheinfreisinnigkeit halten, die den elendsten Volksschmeichlern gutes Spiel macht, wenn man ganz allgemein weitere Eigenschaften von den Wählern nicht fordern wollte und doch auch nicht von den zu Wählenden. Nur von Religion und Geburt scheint uns gar nichts abhängen zu dürfen. Wohl aber halten wir dafür, dass weder der Haussohn, Filius Familias, noch der in Kost und Lohn eines Hausherrn Stehender wie Dienstboten Handwerksgesellen, ich würde ergänzen Frauen. Die nötige Unabhängigkeit besitzen, um ihnen ein Wahlrecht einzuräumen. Eben dies scheint uns, so himmelweit entfernt wir auch sind, die Größe des Geldsacks, der Steuer, wie es in so vielen nichtsnutzigen Wahlgesitzen geschieht, als Gradmesser der Tüchtigkeit zu betrachten, von den einfachen Tagelöhnern und Fabrikarbeitern gesagt werden zu müssen. Ja, und der Frankfurter Anwalt Konrad August Tabor warnte dann noch davor, dass in einem aus allgemeiner Wahl hervorgegangenen Parlament die Jugend vor dem Alter, der abhängige Mann vor dem Unabhängigen, der Besitzlose vor dem Besitzenden, die materiellen Kräfte vor den Geistigen, weil sie alle die Mehrheit bilden, eine stärkere Vertretung gewinnen. Eine aus allgemeiner und unbeschränkter Wahl aller Staatsbürger hervorgehende Vertretung würde die Durchsetzung ihrer Ziele nur durch Bürgerkrieg, Gewalt und Mord erkaufen.
Solveig
00:43:12
Ich finde es dann doch immer spannend, wenn sie sich hinsetzen und sagen, wir sind Demokraten, aber dann ganz schnell deutlich machen, dass das gemeine Volk dann doch auch nicht würdig ist.
Daniel
00:43:23
Ja, und auch dafür gibt es aber auch ein Beispiel, einen Erfahrungswert. Gerade sprachen wir über die Juli-Revolution, die diesen komischen Bürgerkönig hervorgebracht hat. Jetzt ist die große Warnung vor der Ochlokratie. Das ist ein neues Wort, das ich gelernt habe. Sagt dir das was?
Solveig
00:43:39
Also ich weiß, dass Krieg in niederländisch Orloch heißt.
Daniel
00:43:42
Achso, ne, Orlo, also kein R dabei. Also es wird dann übersetzt als Pöbelherrschaft. Und das konnte man sich nämlich dann jetzt gerade in Frankreich angucken. Da vernichtet das allgemeine Stimmrecht die Freiheit. Da gibt es Anarchie und Despotie am Ende. Nämlich wie der Napoleon da langsam. Dank des Pöbels und seinem Populismus quasi die Oberhand gewinnt und wieder zurück zur Despotie führt. Siehst du, es ist besser, wenn der Pöbel nicht wählt.
Solveig
00:44:11
Freiheit für dich und mich, aber nicht für die anderen.
Daniel
00:44:13
Ja, ist doch gut. Wir sind ja geistig gebildet. Wir wissen doch, wohin es besser gehen sollte.
Solveig
00:44:22
Aber das ist doch auch wieder… Wir müssen.
Daniel
00:44:24
Die Entscheidung treffen, für die, die das nicht können.
Solveig
00:44:26
Das ist nicht demokratisch. Also sollen sie von mir aus machen, aber dann sind sie keine Demokraten.
Daniel
00:44:32
Ja, aber gute Regierung könnte doch auch Demokratie bedeuten.
Solveig
00:44:36
Ja, aber klar, also natürlich in einem Parlament und konstitutionell und so weiter müssen wir ja in Vertretung herrschen. Aber es kommt ja dieser klassistische Vorsatz durch, dass das Volk ist dumm und muss angeleitet werden. Das ist, was mich so anwidert. Nicht, dass man sagt, wir müssen Volksvertreter schaffen. Das ist klar, sonst funktioniert es nicht. Aber dieses, nee, nee, der Pöbel, den müssen wir irgendwie beherrschen. Und man merkt auch so den richtigen Ekel vor diesen Leuten.
Daniel
00:45:01
Bei manchen ja. Also ich habe es natürlich jetzt hier auch überbetont. Aber ja, bei manchen kommt das so durch.
Solveig
00:45:07
Das ist keine Freiheit, ihr Lieben.
Daniel
00:45:09
Naja, also Liberale, halten wir fest, wollen nicht Gleichheit, wie du das offenbar anstrebst, auf deiner linken Bank, auf der Galerie.
Solveig
00:45:17
Ich habe Marx gelesen.
Daniel
00:45:20
Und die Rheinische Zeitung abonniert.
Solveig
00:45:23
Warte kurz, also ich weiß, ist Marx jetzt schon in London oder ist der noch in Früllen? Das frage ich nicht.
Daniel
00:45:28
Also wenn ich mich mit Marx-Biografie auskennen würde.
Solveig
00:45:31
Ich weiß das nämlich auch nicht.
Daniel
00:45:32
Vielleicht ist es ja zwischendurch nochmal auf Dienstreis wieder zurück. Weil jetzt kann ihm ja gar nicht so viel passieren.
Solveig
00:45:37
Er hat ja ein Manifest geschrieben für die. Deswegen. Aber ich glaube, das hat er schon aus dem Exil schreiben müssen.
Daniel
00:45:42
Hat er uns per Brief geschickt. Also kommentiert mal bitte unter der Folge. Wo hält sich Karl Marx auf zu diesem Zeitpunkt? Januar 1949.
Solveig
00:45:52
Vielleicht ist er auch noch in Frankreich.
Daniel
00:45:53
Können wir auch selber nochmal nachgucken und in die Shownotes schreiben. Also auf jeden Fall klar ist, Liberale wollen nicht Gleichheit, so wie wir das verstehen. Sondern im Gegenteil. Du hast es Klassismus genannt. Man könnte sagen, sie wollen eine neue Hierarchie, also die Adelsherrschaft ersetzen und Kategorie ist nicht mehr Geburt, sondern das, was sich schon lange herausgebildet hat in der bürgerlichen Gesellschaft. Es geht um Leistung oder Begabung ausgedrückt in Bildung und Besitz.
Solveig
00:46:20
Passt so, als hätte das Bürgertum einfach nur den Adel abschaffen wollen und diese Konstruktion beibehalten wollen.
Daniel
00:46:24
Aber die Idee dahinter ist doch, du musst doch fähig sein, unabhängige Entscheidungen zu treffen. Wenn du eine abhängige Person bist, kann doch immer jemand anderes dir diktieren, wie du dann zu stimmen hast.
Solveig
00:46:36
Du bist trotzdem immer noch ein gleichberechtiger Mensch.
Daniel
00:46:39
Muss für sich entscheiden können, frei und unabhängig.
Solveig
00:46:42
Ach, jetzt ist es. Ich stelle doch nur da. Ich weiß es, ich habe ja auch kein Problem mit dir.
Daniel
00:46:50
Im Übrigen sind die Rechte der Galerie mittlerweile längst eingeschränkt. Die darf gar nicht mehr so viel mitreden.
Solveig
00:46:54
Ach, Überraschung.
Daniel
00:46:55
Es kommt nachher noch, dass dann die Galerie immer zurechtgewiesen wird, wenn da zu viel geklatscht wird. Das mit diesen Freiheiten vom Anfang ist schon längst vorbei. Das nervt einfach nur. Niemand versteht, was Herr Jahn gerade sagen möchte, weil die ständig auf der Galerie toben.
Solveig
00:47:10
Ihr sollt auch nicht in Schachteln reden.
Daniel
00:47:14
So, allerdings haben die dann ein Problem. Die können immer sagen, was sie nicht wollen. Aber umgekehrt sagen sie zum Beispiel, Zensus ist dann wieder zu einseitig, weil das Steuerrecht in jedem Land ist anders. Es gibt ja noch keine allgemeine Einkommenssteuer deutschlandweit oder so. Was genau ist selbstständig? Wie sollen wir das jetzt definieren? Letztes Mal war da so eine riesen Bandbreite dabei. Das heißt, in dem Wahlgesetzvorschlag, den sie machen, gibt es dann nur so einen Negativkatalog. Also wir wollen nicht das Gesellen stimmen, wir wollen nicht das Fabrikarbeiter mitstimmen, wir wollen keine Tagelöhner und wir wollen auch kein Gesinde. Also diese Abhängigen. Ne, nicht Pfui, aber die können halt nicht frei entscheiden, weil die sind abhängig von anderen.
Solveig
00:47:51
Das hat man den Frauen auch gesagt, dass wenn man den Frauen das Wahlrecht gibt, dass dann ja der Frieden in der Familie zerstört wird.
Daniel
00:47:57
Das ist tu. Dafür könnten wir dann aber direkte Wahl machen, weil jetzt sind wir ausreichend geschützt vor dem Pöbel. Brauchen wir diese Filterstruktur nicht mehr. Wie wäre das denn?
Solveig
00:48:10
Aber es ist auch immer leichter zu sagen, was man nicht will, als das, was man machen will. Ja, sowieso, klar.
Daniel
00:48:15
Das geht uns in vielen Situationen ganz ähnlich, würde ich sagen. Die Debatte findet ab dem 15. Februar statt und es gibt viel Redebedarf. Es haben sich viele Redner angemeldet. Ich gebe dir nur ein Bild mal. Vor allem finde ich es aber auch interessant, wie so die Reaktion im Publikum ist. Der Präsident verkündet die Redeliste. Heißt das vielleicht so viel, als wäre der Antrag des Herrn Vogt zurückgenommen? Zuruf von der Linken, nein. Ich bringe ihn also zur Abstimmung. Diejenigen Herren, welche den Beginn der Diskussion über den vorliegenden dritten Gegenstand der Tagesordnung auf nächsten Montag vertagt und diese Diskussion dann an sämtlichen Tagen der nächsten Woche ununterbrochen festgesetzt wissen wollen, ersuche ich, sich zu erheben, geschieht von den Mitgliedern der linken Seite. Der Antrag ist abgelehnt. Ich verlese jetzt die Namen der für die allgemeine Debatte eingeschriebenen Redner. Es sind im Ganzen 42. Gott. Ich habe nur einmal so eine lange Bundestagsdebatte wirklich von Anfang bis Ende geguckt. Das war die Bonn-Berlin-Entscheidung, die irgendwann morgens anging und dann nachts irgendwann geendet ist, Das wurde dann am Ende auch nur noch, wenn jemand gewagt hat, noch mal zu reden zu wollen und die Rede nicht zu Protokoll zu geben, gab es immer so, so ähnlich wie hier, so Schluss. Das ist echt, es ist immer noch das Gleiche. 42 Redner. Gegen den Entwurf sind eingeschrieben die Herren Ziegert, Rossmessler, Jan, Hildebrandt, Pfeiffer, Tellkamp, Moritz Mohl, Eisenstock, Wiesner, O auf der rechten, Plattner, O auf der linken, allgemeine Heiterkeit. Ja. Ich weiß nicht, ob das Leute sind, die üblicherweise nicht reden oder dass sie überraschenderweise auf der oder anderen Seite plötzlich stehen.
Solveig
00:49:57
Oder dass sie immer reden.
Daniel
00:49:58
Das kann natürlich auch sein. Temme, Simon von Trier, Schüler von Jena, Schütz, Schwarzenberg, Löwe von Kalbe, Rappart, Kuhlmann, Nauwerk, O auf der rechten, Teichert, O auf der linken, Schlössel, O auf der rechten, allgemeine Heiterkeit. Meine Herren, sie würden die Namen viel deutlicher vernehmen, wenn das Haus ruhiger wäre. Allgemeine Heiterkeit. Selma, Philipps, Hagen, Wirt von Sigmaringen. Oh, im Zentrum. Grevel, allgemeines Oh. Allseitiges Oh. Fröbel, Zimmermann von Stuttgart. Wiegert, Eisenmann, Heine, Simon. Nein, Heinrich Simon, Entschuldigung. Adolf Schmidt, Wuttke, Vogt. Für den Entwurf im Ganzen sind eingeschrieben die Herren Edlauer, Schrader, Heim, Merck, Bernhardi, Lette von Linke, O auf der Linken, Reichensberger, Fischer von Jena, O auf der Linken. Meine Herren, Herr Teichert zeigt eben an, dass er irrtümlich gegen den Entwurf eingeschrieben ist. Er will für den Entwurf sprechen. Er kommt also an das Ende der eben vorgelesenen Reihe. Ich gebe jetzt dem Herrn Berichterstatter das Wort und so weiter. Dann kommt der Herr Scheller und spricht für den Ausschuss, denn es gibt ja immer die diversen Ausschüsse, vor allem den Verfassungsausschuss, der wichtigste. Und die diskutieren ja schon untereinander, was jetzt so ein passender Entwurf ist, der wahrscheinlich eine Mehrheit dann finden wird. Also man hat eigentlich immer eine gute Basis gehabt, aber diesmal ist das anders. Weil im Ausschuss sitzen doch immer sehr viele konservative Abgeordnete und die dann ordentlich jetzt mal Einschränkungen da reingeschrieben haben. Diese ganzen schönen Negativkatalog. Und da gibt es halt scheinbar nicht so eine ganze Mehrheit im Haus übergreifend, wie das sonst so. Normalerweise bei diesem Ausschuss Vorschlägen ist, wo man halt ein paar Änderungsanträge stellt und dann geht es relativ zügig durch. Jetzt wird es mehr oder weniger zerrissen. Es geht mehrere Tage Diskussionen. Es ist ziemlich ermüdend. Ich erspare dir das meiste. Nicht ganz, kommen wir natürlich nicht ganz dran vorbei. Aber es sind letztlich immer die gleichen Argumente, die da auch auftauchen. Also deswegen, ich würde da auch anfangen zu zischen, wenn dann nicht irgendwie der 30. Redner jetzt mal endlich seinen Text zum Protokoll gibt. Und es fällt halt auch schon auf, dass der Berichterstatter, der Herr, wie hieß er? Herr Scheller, der halt für den Ausschuss das vorstellt, letztlich sich auch die ganze Zeit entschuldigt. Ja, wir müssten das, ja, es wäre natürlich besser, wir würden das nicht, aber vielleicht doch, also, äh. Und ja, natürlich auch bei den Handwerkern und Gesellen gibt es gute, verständige Leute, aber trotzdem und irgendwie, ja, man merkt, sie wissen nicht so richtig, wo es hingehen soll. Und Karl Fucht hält dann zu dem Punkt. Karl Fucht sieht man natürlich auf der linken Seite des Hauses. Endlich wird durch diesen Entwurf einmal klar und offen die Lüge aufgedeckt.
Solveig
00:53:13
Welche sich unter dem sogenannten Konstitutionalismus und unter dem Herrschen durch Majoritäten, wie man es uns anpreist, bisher zu verstecken suchte. Dieses Wahlgesetz zeigt uns endlich einmal unumwunden, dass unsere Konstitutionellen nicht mit der Majorität des Volkes, sondern mit einem Extrakt der Minorität des Volkes regieren wollen. Es zeigt uns, dass jene Redensarten von der Herrschaft der Majorität, die man durchführen wolle, die Unwahrheit sagten und dass die Behauptung, das Prinzip des konstitutionellen Systems sei die Herrschaft der Majorität, wirklich eine Lüge, eine offizielle Lüge ist. Von den Linken sehr gut.
Daniel
00:53:48
Das ist alles eine Lüge, aber die Lüge setzt sich knapp durch erstmal. Also Paragraf 1 des Vorschlages zu dem Reichsgesetz über die Wahlen der Abgeordneten zum Volkshaus lautet, Wähler ist jeder unbescholtene Deutsche, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Und § 2 lautet davon, von der Berechtigung zum Wählen sind ausgeschlossen. Personen, welche unter Vormundschaft oder Kuratell stehen. Personen, über deren Vermögen Konkurs- oder Fallit-Zustand gerichtlich eröffnet worden ist. Und zwar während der Dauer dieses Konkurs- oder Fallit-Verfahrens. Personen, welche eine armen Unterstützung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln beziehen oder im Letzten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen haben. Sprich, alle die Altenverfahren. G2 beziehen, wären vom Wahlrecht ausgeschlossen. Dem stimmen 237 Abgeordnete zu und nur 224 lehnen es ab. Aber auch das ist natürlich nur die erste Lesung gewesen und man hat an der Debatte vorher gemerkt, dass das hier immer eine ganz knappe Geschichte ist und niemand kann wissen, wie das mit der Oberhauptsfrage in der zweiten Lesung durchgeht oder hier mit dem Wahlrecht. Und deswegen gibt es einige Abgeordnete auch von verschiedenen Seiten des Hauses, die sich dann mal zusammensetzen. Ich weiß nicht, in welchem Gasthaus sie das getan haben. Es hat sich auch keine neue Fraktion gebildet. Es sind, glaube ich, vor allem eher linke Abgeordnete, die dann so ein bisschen mittiger saßen, Richtung Liberale, die dann auf die anderen zugehen. Namentlich ist es Heinrich Simon, der Führer von Westendhall. Der trifft sich mit Heinrich von Gagern, dem Reichsminister und einem der wichtigsten Casino-Abgeordneten. Und der Deal letzten Endes lautet dann ganz einfach allgemeines Wahlrecht und suspensives Veto gegen Erbkaiser. Das ist jetzt ein Thema, das werden wir heute nicht uns deutlich angucken. Ich glaube, das ist wirklich zu ermüdend. Da geht es um die Frage, bekommt das Reichsüberhaupt ein Veto, ein absolutes Veto, mit dem er alles stoppen kann oder eben nur so ein aufschiebendes Veto, aber dass das Parlament am Ende immer durchsetzen kann, was es will. Das ist natürlich auch eine linke Idee. Und die haben gesagt, also gebt uns dieses aufschiebende Veto und das allgemeine Wahlrecht und dann stimmen wir für euren Erbkaiser. Und dann sagt der Gaga natürlich Deal. Damit wir ja endlich mal zur Potte kommen. Es ist ja immerhin schon Februar mittlerweile oder schon Anfang März. Und Anfang März ist ja etwas passiert, von dem wir auch vor über einem Jahr in der letzten Folge von Fluch und Paulskirche gesprochen haben. Nämlich am 4. März 1849 bekommt Österreich eine Verfassung. Eine oktruierte Verfassung, die damals das Band schließt. Erinnerst du dich an die schöne Rede von Fürst Schwarzenberg, der von dem neuen Band gesprochen hat, mit dem er jetzt alle Stämme in Österreich verbinden möchte, für immer fest und treu. Und dass deutsche Provinzen natürlich nicht aus diesem Verbande gerissen werden dürfen. Das heißt, eben auch die österreichische Regierung hat damals ja entschieden, wir wollen nicht. Und das ist der Druck, unter dem man dann in der Paulskirche plötzlich stand. Damit haben wir geendet und auch mit dem Vorschlag des Abgeordneten Karl Theodor Welker, das war dann seine Reaktion, nachdem diese Nachricht in Frankfurt angekommen ist. Am 12. März hat er vorgeschlagen, lasst uns doch jetzt bitte die ganze Verfassung ohne große zweite Diskussion, so wie der Text jetzt ist, mit den letztgültigen Änderungen. Wir nehmen jetzt einfach die ganze Verfassung an, en bloc. Oder wie man damals dann sagt in der Debatte, Bausch und Bogen-Antrag. Wir nehmen die Verfassung in Bausch und Bogen an und wählen einen Kaiser. Und den Rest, was jetzt vielleicht noch an Details offen geblieben ist, das kann ja dann auch der neu gewählte Reichstag immer noch entscheiden. Und damit überrascht er doch sehr viele Menschen. So, was ist jetzt los? Jetzt einfach Ja sagen zur Verfassung. Komm, jetzt einmal sich einen Ruck geben und zack, den Rest können das spätere Parlament machen. Und dann wird darüber nicht sofort abgestimmt, sondern nur über die Frage, ob der Abgeordnete nochmal zur Dringlichkeit seines Antrages sich äußern möchte. Das wird abgestimmt. Fast die ganze Versammlung erhebt sich und Beifall. Und dann sagt, ich glaube, das ist Herr Welker, den ich mir hier rausgeschnitten habe. Ich habe den Namen nicht damit rausgenommen. So wollen wir gerüstet sein gegen die Gefahren, welche dieser Bruch hervorbringen wird. Also der Bruch, den die Österreicher begangen haben. Denn seien Sie versichert, so wie dieser Bruch da ist zwischen Österreich und Deutschland, sind die lauernden Feinde im Osten und Westen bereit, die Einheit des jungen Deutschlands im Keime zu ersticken. Ich sage nichts weiter als, das Vaterland ist in Gefahr. Retten Sie das Vaterland. Stürmisches Bravo auf der Rechten und im Zentrum. Ja, aber so kriegst du die Leute natürlich dazu. Und das ist ja auch nicht so ganz abwegig, wenn man doch weiß, dass der Zahnikolaus, der Gendarme Europas, auch gerne mal ungefragt in anderen Ländern für Ordnung sorgt, wenn ihm das dazu revolutionär erscheint. Also ich glaube, der Franz Josef war zwischendurch auch mal überrascht, dass da irgendwelche Soldaten mit russischen Uniformen Plötzlich durch Ungarn gelaufen sind. Die hatte er gar nicht gebeten, da irgendwie mal vorbeizuschauen. Und das ist schon so ein bisschen das, was für viele da im Hintergrund steht. Und wer weiß, was da dieser neue Napoleon demnächst noch plant. Aber ist das natürlich so ein Gefahrenbewusstsein, mit dem man gut agieren kann und sagen kann, so jetzt oder nie. Oder es geht alles den Bach wieder runter. Du bist da noch nicht überzeugt.
Solveig
00:59:37
Ich kenne diese Argumente aus anderen Zeiten. Der Feind von außen, wir müssen zusammenfinden.
Daniel
00:59:44
Ja, nur das hat dann schon ein paar konkrete Beispiele damals.
Solveig
00:59:46
Ja, es sind immer konkrete Beispiele, wenn man sucht.
Daniel
00:59:50
Da muss man aber nicht suchen in der Zeit. Die kommen schon von alleine, teilweise.
Solveig
00:59:55
Man könnte es aber auch anders motivieren. Man muss nicht immer, wir müssen nach uns nach außen verteidigen.
Daniel
01:00:00
Das andere haben ja jetzt ein Jahr lang versucht. Also ich finde das jetzt schon gut, dass da mal jemand aufsteht und sagt, jetzt lass uns das doch hier mal fertig machen. Sonst kommt der Franzmann. Und nimmt uns das alles wieder weg.
Solveig
01:00:14
Dann sind wir Franzosen.
Daniel
01:00:15
Und der Herr Wichmann hier, der Beobachter, den ich vorhin mit den Abstimmungsgegebnissen zitiert habe, der sagt, also hätten sie das sofort abgestimmt an dem Tag. Zack. Wäre das erledigt gewesen. Aber nein, Dringlichkeit ist dann doch nicht so dringend. Herr Gabriel Rieser versucht das Ruder dann noch mal umzureißen. Da wirst du dich nicht mehr dran erinnern. Gabriel Rieser ist ein Abgeordneter aus Hamburg. Der hat öfter mal so seinen Stuhl weiter nach rechts gerückt. Oder nach links. Ach Gott, ich brauche auch noch mal diesen Spickzettel fürs nächste Mal unbedingt wieder raussuchen.
Solveig
01:00:47
Entschuldigung.
Daniel
01:00:49
Darf ich mal durch? Vom Württemberger Hof in den Augsburger Hof und am Lende in den Nürnberger Hof. Vielleicht war auch das Schnitzel besser.
Solveig
01:00:56
Wollte ich gerade sagen, vielleicht war es auch immer der Hof.
Daniel
01:00:58
Wiener Schnitzel kann er essen, weil er ist ja überzeugt vom jüdischen Glauben nach wie vor, dass er seinerzeit in einer Rede sehr stark betont hat, dass er sich nicht hat taufen lassen. Als er nämlich auf Moritz Mohl, den antisemitischsten Redner der Paulskirche, seinerzeit geantwortet hat. Wenn euch das jetzt nichts mehr sagt, dann hört bitte nochmal in die Grundrechte-Folge rein. Und da kann man ja kapitelweise auch gucken. Also bei Religionsfreiheit ist das eine, vielleicht ist schön, nicht der richtige Ausdruck, aber interessante und heftige Debatte. Ja, und damals hat Gabriel Rieser eben auf den geantwortet. Gabriel Rieser ist aber auch in dem Verfassungsausschuss. Und er versucht jetzt eigentlich diesen Welke-Antrag irgendwie so durchzubringen und sagt, Darum, meine Herren, wenn unser Vorschlag viele, so würden wir nicht ermüden, so sehr auch unsere Hoffnungen gesunken sein mögen. Paragraf für Paragraf, mit treuer Arbeit, wie Sandkorn auf Sanddorn, nach dem Worte des Dichters zu dem Bau der Ewigkeiten zu tragen. Wir werden, wenn der Stein, den wir dem Gipfel nahe glaubten, sich abermals herabwälzt und mit Donnergepolter zu unseren Füßen niederfällt, ihn immer von neuem Heben und Emporzuwälzen suchen und in duldender Arbeit beharren, wie der erwachende Genius des Vaterlandes, die Fessel bricht und uns von der Qual vergeblicher Arbeit erlöst. Ich gehöre nicht zu denen, die zu einer ermüdeten Versammlung zu reden glauben. Ich meine, dass wenn die Versammlung das Ziel ihrer langen Wanderung vor sich sieht, sie zu diesem letzten Schritt dieselbe Kraft und Begeisterung mitbringen wird, die sie bei unserem ersten Zusammenkommen in sich trug. Ich fordere sie daher nicht auf, ihre letzte Kraft aufzurachten, denn die unvergängliche Kraft und Größe Deutschlands lebt in ihnen. Ich rufe ihnen vielmehr zu. Bleiben Sie bei Ihrem Charakter, krönen Sie Ihr Werk, erfüllen Sie den alten, edlen Traum des deutschen Volkes von seiner Einheit, Macht und Größe, fassen Sie einen großen, rettenden, weltgeschichtlichen Entschluss. Tiefe Bewegung, stürmischer, anhaltender Beifall auf der rechten und im Zentrum. Gelächter auf der linken. Nein, 272. Ja, 267. Also nein, wir sind immer noch nicht fertig. Fünf Stimmen haben nicht gefehlt, um das Ding jetzt mal hier fertig zu kriegen. Also es gibt eine Fortsetzung der zweiten Lesung. Wir könnten jetzt so die Sitzungstage durcharbeiten. Nochmal Paragraf für Paragraf. Antrag auf Antrag. Aber endlich, am 27. März, nachdem man dann doch nochmal auch noch ein paar Paragraf auf Paragraf durch ist, dann plötzlich kommt der Paragraf zum Reichsoberhaupt. Wieder dran in der zweiten Lesung. Der Antrag des Verfassungsausschusses in Paragraf 69. Die Würde des Reichsoberhauptes wird einem der Regierenden, deutschen Fürst und übertragen, ist mit 279 gegen 255 Stimmen angenommen. Denn es gab ja einen Deal in der Zwischenzeit.
Solveig
01:04:06
Das ist auch haarscharf.
Daniel
01:04:07
Wir stimmen für euer Wahlrecht, allgemeines Wahlrecht. Das wird am selben Tag, glaube ich, oder am nächsten Tag auch verabschiedet. Und jetzt, das ist gar nicht so haarscharf wieder. Also natürlich, du hättest es gern mehr so einmütig vielleicht gehabt. Aber das ist ja Demokratie. Entschuldige bitte.
Solveig
01:04:23
Ja, aber es geht ja darum, dass es immer so behauptet oder dargestellt wird, dann haben sie das beschlossen, das haben sie das beschlossen, aber es wird nicht darüber gesprochen, dass das wirklich nur zehn Stimmen beschlossen wurde.
Daniel
01:04:35
14. Ja, trotzdem. 14 Stimmen Unterschied, ja, richtig gerechnet, 279 gegen 255. Drei Mitglieder haben sich der Abstimmung enthalten, Beifall auf der rechten und auf der Galerie. Unruhe auf der Linken. Ich verbitte mir alle Zeichen von Beifall auf der Galerie, sagt der Präsident. Wie oft soll das noch gesagt werden, dass Ihnen dergleichen nicht zusteht? Das sind ein bisschen andere Töne mittlerweile. Von wegen die Reaktion, die hat die Überhand gewonnen. Zuruf von der Linken. Es sind die Diplomaten, die Diplomatengalerieräumen. Der Zuruf gilt den Zuhörern auf allen Tribünen. Und sie mögen mit dem Hause auf Niveau liegen oder auf der Galerie sich befinden. So, wir gehen dann zur namentlichen Abstimmung über. Nein, wir lesen das nicht komplett durch. Der Antrag des Verfassungsausschusses in Paragraf 70 lautet, die erste war ja schon damals auch durchgegangen, knapp. Aber jetzt kommt der entscheidende nochmal. Paragraf 70, neu. Diese Würde ist erblich im Hause des Fürsten, dem sie übertragen worden. und sie vererbt im Mannesstamme nach dem Rechte der Erstgeburt. Präsident, meine Herren, der Paragraf 70 ist nach dem Antrag des Verfassungsausschusses mit 267 gegen 263 Stimmen angenommen. Vier. Stimmendifferenz. Allgemeine lang anhaltende Bewegung folgt darauf. Das war knapp. Das war, So, und das heißt aber auch, jetzt ist es durch. Es ist angenommen, es gibt einen Kaiser, einen erblichen Kaiser. Und jetzt müssen wir den Kaiser wählen. Nächster Tag. Also erstmal alle drüber schlafen in der Nacht, sich beruhigen und überlegen, was man jetzt machen will. Und am 28. März besteht die Sitzung hauptsächlich aus der Wahl dieses Staatsoberhauptes. Vorher gibt es noch mal so ein paar komische Anträge, was man jeden Tag so durchgewinken lässt. Und noch ein paar Spenden für die Reichsflotte, Dankeschön, für Silberlöffel aus Konstantinopel und so hatten wir schon mal. Und dann ist es endlich soweit. Und ich habe ja doch kurz überlegt, ob wir das hier durchexerzieren. Aber ich dachte schon, bis dahin ist es eine Stunde rum. Und ich wollte eigentlich so einmal alle Namen vorlesen und du sagst kurz, was die Person geantwortet hat, so ein bisschen Reaction. Denn tatsächlich wird jeder namentlich aufgerufen und sagt dann, wen er wählen soll.
Solveig
01:07:08
Von den Abgeordneten jetzt?
Daniel
01:07:09
Ja, genau. Also alle Abgeordneten werden namentlich aufgerufen und dann sagen sie, wen wählen sie. Also es ist nicht Ja oder Nein, Friedrich Wilhelm, sondern du sagst den die Person, die du wählen möchtest. Und ja, dann ist es erstmal nicht sehr variantenreich. Die meisten sagen König von Preußen oder Friedrich Wilhelm, König von Preußen. Einer macht es ganz genau, sagt Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen. Dann dazwischen immer wieder, ich wähle nicht, wählt nicht, ohne Mandat. Ist eine Antwort von einem Böhmen, glaube ich. Graf Deim aus Prag sagt, er hat kein Mandat, hier zu wählen. Da kann er durchaus recht haben, wenn er so will. Immerhin Österreich, wählt ja nicht. Dann wählt nicht, wählt nicht, wählt nicht. Friedrich Wilhelm, Friedrich Wilhelm, Friedrich Wilhelm. Und dann gibt es halt doch immer so ein paar, die meinen, sie müssen jetzt nochmal einen besonderen Kommentar raushauen, wie zum Beispiel Professor aus Würzburg, glaube ich, Edel. Ich wähle keinen Erbkaiser. Dann, ich wähle keinen erblichen Kaiser. Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden. Da saß wohl einer im Kampf Himelani zu lange.
Solveig
01:08:18
Würde ich sagen.
Daniel
01:08:19
Dass man das nochmal dazu sagen muss.
Solveig
01:08:21
Es gibt keine Gottes Gnade mehr.
Daniel
01:08:23
Ja, für den schon scheinbar. Pfarrer aus Altena, Efatsbusch, wer es wissen möchte. Und dann Herr Hartmann, Moritz Hartmann, ein Schriftsteller, meinte, er müsste jetzt noch mal mehr mitteilen. Er sagt, ich will nicht teilhaben an einem Anachronismus und wähle nicht. Heiterkeit. Und der Sepp, Dr. Sepp, Professor aus München, ich wähle keinen Gegenkaiser.
Solveig
01:08:48
Okay.
Daniel
01:08:50
Der hängt wahrscheinlich noch am Alten Reich und in Habsburg. Franz Josef. Also am Ende aber, Der Präsident verkündet das Ergebnis der vollzogenen Wahl. Die 290 abgegebenen Stimmen haben sich sämtlich auf den König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., vereinigt. Die abgegebenen Stimmen, 290 abgegebenen Stimmen, die anderen haben ja immer gesagt, wählt nicht oder ich wähle keinen Gegenkaiser. Das waren 248 Leute, die nicht gewählt haben oder irgendwelchen Quatsch gesagt haben. Ja, also insofern kann man sagen, er ist einstimmig zum Kaiser der Deutschen gewählt. Die verfassungsgebende Deutsche Reichsversammlung hat also in ihrer 196. Öffentlichen Sitzung Mittwoch, den 28. März des Jahres 1849, auf den Grund der von ihr beschlossenen, angenommenen und verkündigten Reichsverfassung, die in derselben begründete erbliche Kaiserwürde, auf den König von Preußen Friedrich Wilhelm IV. Übertragen. Möge der deutsche Fürst, der wiederholt und öffentlich in unvergessenen Worten den warmen Herzschlag für die deutsche Sache sein kostbarstes mütterliches Erbe genannt hat, sich nun als Schutz und Schirm der Einheit, der Freiheit, der Größe unseres Vaterlandes bewähren, nachdem eine Versammlung aus dem Gesamtwillen der Nation hervorgegangen. Wie keine, die je auf deutschem Boden tagte, ihn an deren Spitze gerufen hat. Unserem edlen Volke aber möge, wenn es auf die Erhebung des Jahres 1848 und auf ihr unerreichtes Ziel zurückblickt, der Ausspruch des Dichters zur Wahrheit werden, dessen Wiege vor jetzt fast einem Jahrhundert in dieser alten Kaiserstadt gestanden hat. Nicht den Deutschen geziemt es, die fürchterliche Bewegung ziellos fortzuleiten, zu schwanken hierhin und dorthin. Dies ist unser, so lasst uns sprechen und fest es behalten. Gott sei mit Deutschland und seinem neu gewählten Kaiser. Es erschallt ein dreifaches stürmisches Hoch in der Versammlung und auf der Galerie, so wie das Läuten aller Glocken und Kanonensalven. Ich sage es nochmal, Gott sei mit Deutschland und seinem neu gewählten Kaiser.
Solveig
01:11:20
Was soll jetzt noch schief gehen?
Daniel
01:11:22
Was soll jetzt noch schief gehen? Allerdings muss man nochmal sagen, es haben ja doch einige auch mit sich ringen müssen. Nicht nur die Schwaben, vereinzelte Schwaben. Apropos Schwabe, ich möchte doch mal das Innerste eines Schwaben hier hervorkehren in die Öffentlichkeit. Er hat es selbst getan. Friedrich Theodor Fischer aus Reutlingen aus der Fraktion Westenthal. Das sind die, wo dann einige rübergemacht haben und gesagt haben, allgemeines Wahlrecht gegen Erbkaiser. Da schreibt er an den Theologen David Friedrich Strauß, jetzt haben wir unseren Erbkaiser soweit fertig. Ich habe einen furchtbaren inneren Kampf gekämpft und bin dadurch zu dem Standpunkt gelangt, den Kerl zwar nicht machen zu helfen, aber auch nicht zu hindern, sondern nur wie der liebe Gott das Böse zuzulassen. Wie dies meinen drei Abstimmungen zugrund liegt, ist zu langweilig nachzuweisen. Ich will überhaupt nicht weiter in die Politik hinein in diesem Brief, als eben mein subjektiver Zustand es unvermeidlich mit sich bringt. Aber folgende Reflexion musst du dir gefallen lassen. Es ist wahr, dass keine Ruhe wird, wenn nicht der oberste Platz im Staat ein für allemal besetzt ist. Aber ebenso wahr, dass der Gewinn, den die Erbemonarchie dadurch bietet, dass sie dies leistet, wieder rein aufgehoben wird durch das Standesinteresse, Landesinteresse, das alle Fürsten als kulminierte Adelsextrakte gegen das Volk haben müssen. Und umgekehrt durch das unheilbare Misstrauen, das eben deswegen das Volk gegen sie hat. Könnt ihr daher nicht eine Vorrichtung, einen Mechanismus erfinden, der die Vorteile der Erbmonarchie ohne diesen ihren absoluten Schaden herrschaft? So ist überhaupt kein erträglicher Staat möglich. Denn die Republik ist nichts, weil der Zufall der Leidenschaft waltet und das Schiff in beständigem Sturm bleibt. Die Erbmonarchie ist aus dem genannten Grund nichts. Das ist eben am Ende auch das Wahre, dass es auf diesem ganzen Gebiet nichts Gutes gibt. Und unser alter Hegel behält eben recht mit seiner Stellung der Sphären des absoluten Geistes an das Ende und den Gipfel des Ganzen. Das ist ein bisschen unbefriedigend.
Solveig
01:13:24
Oh Gott.
Daniel
01:13:24
Bisschen deprimiert der Herr.
Solveig
01:13:25
Es gibt keine Hoffnung.
Daniel
01:13:27
Es gibt keine Hoffnung für die Staatsspitze.
Solveig
01:13:29
Es hat gar keinen Sinn.
Daniel
01:13:31
Ja, und es gibt dann überraschenderweise tatsächlich auch nochmal eine ganz kurze Sitzung am 29. Da teilt vor allem der Herr von Gaga mit, dass anders als vorher verlautet, der Reichsverweser jetzt doch noch nicht zurücktritt. Weil wer weiß, ob man ihn nicht noch braucht. Also eigentlich hatte er ja schon die Reichsregierung zu sich gerufen und gesagt, also das war's ja jetzt, Leute, ihr habt ja jetzt einen Kaiser Und dann hat der Gagel gesagt, sie wissen noch nicht, wie es zu sagen wird. Bleiben sie doch erstmal im Amt, bis wir eine Antwort haben aus Berlin. Und, das fand ich aber schön, weil es wird dir auch was sagen und allen, die uns besucht haben, zuletzt mit uns durch die Ausstellung Roadster Taken gegangen sind, die jetzt leider nicht mehr da ist, aber da lag am Ende ein Dokument. Im Raum von 1848. Und das Original ist ja auch in der Sammlung des hiesigen Historischen Museums. Und ich fand es schön, dass in dem Protokoll vom 29. März am Ende der Präsident eben noch sagt, also meine Herren, ich schlage vor, die nächste Sitzung auf nächsten Mittwoch anzuberaumen und auf die Tagesordnung zu stellen, was ich soeben verlesen habe. Ich habe dann noch anzuzeigen, dass hier das rektifizierte Exemplar der Verfassungsurkunde auf Pergament gedruckt vorliegt. Allgemeine Unruhe. und dass ich es den Beschlüssen der Versammlung gemäß mit dem Büro unterzeichnen werde, dann aber auf einem Tische im Hause niederlegen lasse, damit die Herren Mitglieder auf den beigelegten Pergamentblättern ihren Namen dazuschreiben. Ich habe noch die Sitzung des Volkswirtschaftlichen Ausschusses auf heute 4 Uhr und so weiter. Aber da ist es, da ist es, da ist es das Ding, was da in der Ausstellung lag. Wo man im Faximile tatsächlich ausschließlich im Faximile dann auch die ganzen 20 Seiten mit Unterschriften. 405 haben sich am Ende da vorbei bewegt und drauf unterzeichnet. Auch sehen kann, im Original werden die nicht aufgeschlagen, damit sie nicht ausbleichen. Aber so kam dieses wundervolle Objekt zustande und versprüht immer noch die ganze Aura dieses Tages, die, wie man damals auch sagte, dann die kaiserlose schreckliche Zeit ist vorbei. Das Interregnum sozusagen. Wir haben wieder einen Kaiser.
Solveig
01:15:33
Nach 40 Jahren.
Daniel
01:15:35
Und das Büro der Paulskirche entscheidet sich dann für 32 Abgeordnete von allen Stämmen Deutschlands außer Österreich. Muss das schön gleichmäßig verteilt sein.
Solveig
01:15:45
Ja, aber wieso muss man es denn Stämme nennen?
Daniel
01:15:47
Weil das so üblich ist. Wir sind hier im 19. Jahrhundert, Saulweig.
Solveig
01:15:51
Das sind keine Stämme, das sind ja keine Bäume.
Daniel
01:15:53
Wenn die sich so definieren, dann sind sie es halt. Na Gott, dann sind halt die Bayern ein Stamm. Die Schwaben ein Stamm. Und die Baden da dann wieder ein extra Stamm. Also alle sind dabei, außer die Österreicher natürlich. Das wäre jetzt auch komisch gewesen, wenn die da auch mitgefahren werden. Denn die machen sich jetzt als Kaiserdeputation auf den Weg nach Berlin, um also die freudige Nachricht der Wahl auch dem Erwählten mitzuteilen.
Solveig
01:16:18
Der weiß doch gar nichts von seinem Glück.
Daniel
01:16:20
Doch, der weiß das schon. Der weiß schon sehr gut Bescheid. Denn es gibt da wohl Bahnen fahren, natürlich auch Telegrafenleitungen. Das heißt, er hat schon längst ein Telegramm bekommen. Man kann sich schon mal hinsetzen und überlegen, wie er denn darauf reagieren möchte. Und eine ausführliche Beschreibung dieser Reise der Kaiserdeputation liefert uns der liberale Abgeordnete Karl Biedermann, der bislang, wenn auch nicht sehr ausführlich zitiert, in diesem Podcast vor allem durch seine frauenfeindlichen Äußerungen aufgefallen ist. Und der berichtet deutlich später, 1863, in der Zeitschrift Die Gartenlaube von dieser Reise der Kaiserdeputation, die am 30. März sehr früh morgens aufbricht. Man hatte absichtlich von den zwei Reiserouten nach der preußischen Hauptstadt die längere über Köln gewählt. Man rechnete darauf, dass der Widerhall, den der Beschluss der Nationalversammlung, wie man zuversichtlich erwartete, von Tag zu Tag in immer weiteren Kreisen finden würde, eines starken Eindrucks auch in den maßgebenden Regionen Berlins nicht verfehlen könnte. Aus demselben Grunde sollte die Deputation nur in kleinen Tagereisen sich ihrem Ziele nähern und erst am vierten Tage in Berlin eintreffen. Also denen ist schon klar, die müssen da in Berlin erst noch den überreden.
Solveig
01:17:39
Nein, das ist ganz zeremoniell und herrschaftlich und Schritt für Schritt.
Daniel
01:17:44
Ja. Und so fuhren wir denn auf festlich beflacktem Dampfschiff am 30. März den Rhein hinunter. Es war ein schöner, klarer Morgen, die Märzsonne schien so rein und warm wie ein Jahr zuvor, da wir uns zum Vorparlament in der alten Krönungsstadt Frankfurt versammelt. Der königliche Rhein wälzte seine grünen Wogen so gewaltig dahin, als trage er auf seinem Rücken wirklich die Majestät des deutschen Volkes, dass seine Ufer so oft siegreich fremden Eindringlingen abgekämpft und mit seinem Blute ihn recht eigentlich zu einem deutschen Strome getauft hat. Oh mein Gott.
Solveig
01:18:22
Der Deutsche Reih.
Daniel
01:18:23
Ich sag ja linke Bänke.
Solveig
01:18:25
Nicht der Reih.
Daniel
01:18:26
Linke Bänke. Aber trotz all der Pracht, womit Himmel und Erde prangten und trotz all der stolzen Erinnerungen, die mit der Welle des Stromes an uns vorüberrauschten, waren doch die Männer auf dem Schiffe sehr ernst. Er weiß, wie das ausgeht. Diesen ist auch klar, dass er schon oft genug gesagt hat, was soll das?
Solveig
01:18:50
Die waren andächtig wegen des Rheins.
Daniel
01:18:52
Die waren andächtig wegen des Rheins, aber die sind halt sehr ernst, eher in Bezug auf das Ende ihrer Reise und beschwören sich dann quasi selbst, ja, aber im Januar, da hat ja schon mal die preußische Regierung gesagt, ja, sie könnte sich ja doch an die Spitze stellen, das hatten wir auch in der letzten Folge, wo dann die Österreicher irritiert waren und dann die preußische Regierung ganz schnell gesagt hat, oh, Entschuldigung, wir haben uns da verschrieben. Aber das ist bei denen hängen geblieben. Außerdem gab es ein damals 1848 zum Dombaufest in Köln. Eine große Begeisterung. Ich gehe davon aus, dass wir in der aktuellen Folge von Flur von Geschichte darüber gesprochen haben werden.
Solveig
01:19:27
Wir haben sie noch nicht aufgenommen.
Daniel
01:19:30
Diesmal ist es nicht so spürbar Wir hatten, als wir am Beginn der Hermann-Folge nochmal über Düsseldorf und Köln und protestantisch evangelisch gesprochen haben, schon klar gemacht, in Köln gab es Katzenmusik Das ist keine höfliche Begrüßung, Düsseldorf war dann okay und in Detmold einfach, weil es so schön war sage ich den Satz nochmal, das ist ja das unvollendet gebliebene Standbild Hermanns des Geruskas, Marthe Verhängnis voll an unser eigenes, des Abschlusses noch ein mangelndes Werk, Alles weitere bei Hermann und der Deutsche Geist.
Solveig
01:20:01
Das war ja nur das Podest, er hat ja noch gar keine Statue stehen können.
Daniel
01:20:04
Eben, unvollendet ermahnt es uns an den Abschluss unseres Werkes.
Solveig
01:20:09
Aber das ist keine Statue, da ist ja nur das Podest.
Daniel
01:20:11
Ja eben, das ist ein Mahnmal, Damals der deutschen Einheit.
Solveig
01:20:16
Man kann sich auch am Podest erfreuen.
Daniel
01:20:18
So, dann wird übernachtet in Hannover. Da gibt es Huldigungen tatsächlich. Die Stadt organisiert da irgendwas. Sie übernachten da. Dann kurz danach in Braunschweig gibt es ein ordentliches Festmahl sogar. Da ist offenbar das Kaisertum sehr populär. Und er bemerkt dann noch, das bewies die allgemeine lebhafte Zustimmung, als ein Redner daran erinnerte, wie die Unbotmäßigkeit des mächtigen Welfenfürsten einst einen der größten deutschen Kaiser in seinem Siegeslaufe aufgehalten, wie aber die Nationalversammlung bei Abfassung der Reichsverfassung Sorge getragen, dass sich Ähnliches nicht zum Schaden Deutschlands wiederholen könne, dass vielmehr die Vollkraft der Nation dem Oberhaupt des Reichs jederzeit durch keinen anderen als den gesamten Willen eben dieser Nation beschränkt zur Verfügung stehe. Sehr verklausuliert, meint er damit Friedrich Barbarossa und Heinrich den Löwen.
Solveig
01:21:09
Dass die Braunschweiger da so begeistert sind.
Daniel
01:21:11
Ja, deswegen zeigen die jetzt, wie begeistert sie sind. Und guck mal, jetzt sind wir so richtig kaisertreu.
Solveig
01:21:16
Das war nur der.
Daniel
01:21:17
Wir machen das nie wieder.
Solveig
01:21:19
Wir haben gelernt.
Daniel
01:21:20
So, in Magdeburg, gucken wir uns den Ort in den Großen an. Und da kommt auch eine Deputation aus Sachsen vorbei und sagt, Mensch, von den Sachsen.
Solveig
01:21:27
Die sind auch nicht so kaisertreu.
Daniel
01:21:29
Ja, da in Magdeburg die schon. Die kommen ja extra dahin. Und in Potsdam gibt es sogar ein richtiges Festessen. Wo sogar Mitglieder der preußischen Regierung daran teilnehmen. Und sie treffen auch weitere Abgeordnete der Paulskirche, die quasi den schnelleren Weg genommen haben. Wir sind jetzt auch hier, weil die auch in preußischen Kammern sitzen. Wir haben quasi zwei Mandate. Ämterhäufung, sag ich da nur. Und die berichten dann von positiven Erklärungen von diversen Ministern, die sich da positiv geäußert haben über den Entschluss jetzt der Paulskirche. Also es könnte doch irgendwie alles ganz gut ausgehen. Der Eindruck dieser Erklärung in den Abgeordnetenkreisen war, wie unsere Freunde uns sagten, ein durchaus günstiger gewesen. Und am 2. April sind sie endlich in Berlin. Graf Brandenburg, der Regierungschef, empfängt die Deputation. Und auch er macht so subtile, positive Äußerungen über den weiteren Verlauf. Hier, also es irgendwie doch funktioniert zu haben, so diese patriotische Extratour, dass die sich da in Berlin irgendwie eine entsprechende Stimmung bringen. Die Audienz beim König war auf den folgenden Tag mittags 12 Uhr im Rittersaale des Schlosses anberaumt.
Solveig
01:22:41
So, ich würde sagen.
Daniel
01:22:42
Weil es geht ja nicht, dass du der König bist.
Solveig
01:22:45
Oh.
Daniel
01:22:47
Nee, das geht wirklich nicht. Aber dafür darfst du Herr Simson sein.
Solveig
01:22:52
Wer ist Herr Simson?
Daniel
01:22:53
Und Herr Simson ist derjenige, der hier die Kaiserdeputation anführt. Eduard Simson, Präsident der Frankfurter Nationalversammlung, trägt am 3. April 1849 vor seiner Majestät das Folgende um.
Solveig
01:23:09
Die verfassungsgebende Deutsche Reichsversammlung im Frühling des vergangenen Jahres durch den übereinstimmenden Willen der Fürsten und Volksstämme Deutschlands berufen, das Werk der deutschen Verfassung zustande zu bringen, hat am Mittwoch, den 28. März 1849, nach Verkündigung der in zweimaliger Lesung beschlossenen deutschen Reichsverfassung, die in derselben begründete erbliche Kaiserwürde auf seine königliche Malicität von Preußen übertragen. Sie hat dabei das feste Vertrauen ausgesprochen, dass die Fürsten und Volksstämme Deutschlands großherzig und patriotisch in Übereinstimmung mit der Nationalversammlung die Verwirklichung dieser von ihr gefassten Beschlüsse mit aller Kraft fördern werde. Sie hat endlich den Beschluss gefasst, den erwählten Kaiser durch eine Deputation aus ihrer Mitte ehrfurchtsvoll einzuladen, die auf ihn gefallene Wahl auf Grundlage der Verfassung anzunehmen. In der Vollziehung dieses Auftrages stehen wir vor eurer königlichen Majestät, der Präsident der Reichsversammlung und 32 ihrer Mitglieder in der ehrfurchtsvollen Zuversicht, dass eure Majestät geruhen werden, die begeisterten Erwartungen des Vaterlandes, welches eure Majestät als den Schirm und Schutz seiner Einheit, Freiheit und Macht zum Oberhaupte des Reichs erkoren hat, durch einen gesegneten Entschluss zu glücklicher Erfüllung zu führen.
Daniel
01:24:28
Meine Herren, die Botschaft, als deren Träger sie zu mir gekommen sind, hat mich tief ergriffen. Sie hat meinen Blick auf den König der Könige gelenkt und auf die heiligen und unantastbaren Pflichten, welche mir als dem Könige meines Volkes und als einem der mächtigsten deutschen Fürsten obliegen. Solch ein Blick, meine Herren, macht das Auge klar und das Herz gewiss. In dem Beschluss der Deutschen Nationalversammlung, welchen Sie, meine Herren, mir überbringen, erkenne ich die Stimme der Vertreter des deutschen Volkes. Dieser Ruf gibt mir ein Anrecht, dessen Wert ich zu schätzen weiß. Er fordert, wenn ich ihm folge, unermessliche Opfer von mir. Er legt mir die schwersten Pflichten auf. Die deutsche Nationalversammlung hat auf mich vor allen gezählt, wo es gilt, Deutschlands Einheit und Kraft zu gründen. Ich ehre Ihr Vertrauen. Sprechen Sie ihr meinen Dank dafür aus. Ich bin bereit, durch die Tat zu beweisen, dass die Männer sich nicht geirrt haben, welche ihre Zuversicht auf meine Hingebung, auf meine Treue, auf meine Liebe zum gemeinsamen deutschen Vaterland stützen. Aber, meine Herren, ich würde ihr Vertrauen nicht rechtfertigen. Ich würde dem Sinne des deutschen Volkes nicht entsprechen. Ich würde Deutschlands Einheit nicht aufrichten, wollte ich mit Verletzung heiliger Rechte und meiner früheren ausdrücklichen und feierlichen Versicherungen ohne das freie Einverständnis der gekrönten Häupter der Fürsten und freien Städte Deutschlands eine Entschließung fassen, welche für sie und für die von ihnen regierten deutschen Stämme die entschiedensten Folgen haben muss. An den Regierungen der einzelnen deutschen Staaten wird es daher jetzt sein, in gemeinsamer Beratung zu prüfen, ob die Verfassung dem Einzelnen wie dem Ganzen frommt. Ob die mir zugedachten Rechte mich in den Stand setzen würden, mit starker Hand, wie ein solcher Beruf es von mir fordert, die Geschicke des großen deutschen Vaterlandes zu leiten und die Hoffnungen seiner Völker zu erfüllen. Dessen möge Deutschland aber gewiss sein, und das, meine Herren, verkündigen sie in allen seinen Gauen, bedarf es des preußischen Schildes und Schwertes gegen äußere oder innere Feinde, so werde ich auch ohne Ruf nicht fehlen. Ich werde dann getrost den Weg meines Hauses und meines Volkes gehen, den Weg der deutschen Ehre und Treue. Kein Tschüss hier am Ende. Einfach Ende.
Solveig
01:27:02
Ich bin doch den ganzen Weg hierher gekommen.
Daniel
01:27:04
Aha, so geht es den anderen auch so ein bisschen. Also Karl Biedermann sagt am Anfang schon, als er schon anfängt hier vom Herrn der Herrkönige und Blick nach Ous. Was der König noch weiter sagte von dem Schwerte Preußens, das in der Stunde der Gefahr dem deutschen Vaterlande nicht fehlen werde und anderes mehr, das haben wohl nur die wenigsten von uns gerecht gehört. Eine tiefe Wehmut, eine fast betäubende Seelenerschütterung war über uns gekommen. In manchem Auge, das sonst ruhig und kalt Blicke, sah man Tränen zittern. Die mühsame Arbeit eines Jahres, das Bollwerk unserer nationalen Zukunft, die Hoffnung und Sehnsucht von Millionen deutscher Herzen, das alles sahen wir in diesen Momenten in sich zusammenbrechen. Und an seiner Stelle, wohin wir nur blickten, ein Chaos von Ungewissheit, von neuen Kämpfen, von Wirrsaalen ohne Ende empor tauchen. Aber besonders schön finde ich ja, dass der König versprochen hat, er kommt auch ohne Ruf für die innere Sicherheit. Also so schön in Wolken gepackte Drohungen. Aus Blümchenstrauß und drinnen so, ach übrigens, wenn ihr nochmal was macht, bin ich nicht mehr saniert. Ja, aber damit es nicht ganz so traurig ist, gibt es abends einen Empfang beim Kronprinzen in Charlottenburg.
Solveig
01:28:21
Toll.
Daniel
01:28:21
Und noch einen Theaterbesuch.
Solveig
01:28:23
Toll.
Daniel
01:28:23
Wo die meisten nachher sagen, ich habe keine Ahnung, worum es da ging. Weiß ich nicht. Aber der Abendempfang war überraschend nett. Es gab Alkohol. Es gab Alkohol, wahrscheinlich, gehe ich mal von aus. Und vor allem der Prinz, von dem da die Rede ist, das ist ja der Willem, der Kartetschenprinz. So hat man ihn von März 1848 in Erinnerung, wo er sich natürlich auch sehr ungerecht behandelt fühlte, weil er hat ja gar nichts zu tun gehabt. Es war alles der Herr Prittwitz.
Solveig
01:28:46
Ich habe gar keine Kartetschen in der Hand.
Daniel
01:28:47
Ich habe doch gar nichts gemacht. So, auf jeden Fall ist er dann sicherheitshalber ein halbes Jahr weg gewesen und hat dann in England offenbar sich angeguckt. Das geht auch mit Parlament und ist halt gar nicht so wahnsinnig schlimm und irgendwie ist er ein bisschen netter zurückgekommen. Und jetzt ist der plötzlich der Typ, der dann sagt, Mensch, mach doch nicht so einen Kopf. Das war eigentlich kein Nein.
Solveig
01:29:03
Das war nur ein Vielleicht.
Daniel
01:29:04
Ich rede nochmal mit dem und dann auch die Augusta. Also wir sprechen hier über das spätere Kaiserpaar. Die sagen so, wir kriegen das schon noch hin, irgendwie mit der deutschen Einheit. Irgendwie steht er jetzt auch mittlerweile auf deutsche Einheit, findet das irgendwie eine ganz schöne Idee. Wenn man das halt ein bisschen ändert mit der Verfassung, dass das nicht ganz so suspensiv ist und nicht so allgemein mit dem Wahlrecht, dann könnte da doch noch was draus werden. Also er hat es angeblich in den Berichten sehr schön ausgedrückt. Er meinte, man müsste da ein bisschen revidieren, dass das mit dem demokratischen Tropfen eben nur ein Tropfen ist und nicht die ganze Flasche wie aktuell.
Solveig
01:29:40
Das Volk darf ja gar nicht wählen.
Daniel
01:29:42
Na doch, die haben ja dann durchgekriegt. Also für den Erbkaiser gab es ja dann das allgemeine Männerwahlrecht ab 25, frei, gleich, geheim und direkt.
Solveig
01:29:52
Ich dachte, das war aber doch nicht in Abhängigkeit.
Daniel
01:29:54
Das war der Preis für den Erbkaiser. Das war der Deal, den Herr Simon mit Herrn Gagern hatte. Weswegen die jetzt überhaupt hier in Berlin gelandet sind. Also das war schon die ganze Flasche demokratischen Öls mittlerweile, jedenfalls aus Sicht von Prinz Wilhelm. Tropfen wäre okay, aber eine Flasche muss nicht sein.
Solveig
01:30:12
Die Gesellen dürfen nicht wählen.
Daniel
01:30:14
Also da müssen wir nochmal ran. Aber dann könnte es vielleicht doch noch klappen. Und sogar Friedrich Wilhelm Vier ist da aufgetaucht bei dem Empfang und ist da irgendwie ganz gut drauf. Hallo.
Solveig
01:30:23
Wird nicht bespuckt.
Daniel
01:30:24
Habe ich nicht eine schöne Rede gehalten? Und interessanterweise sagt er dann angeblich zu Herrn Arendt, Ernst Moritz Arendt, der Dichter, auch schon ziemlich greise, ist da auch mit dabei. Hat quasi auf dem Rhein auch nochmal schnell ein Gedicht geschrieben, das ich uns jetzt nicht vortrage. Ich finde den doof. Mach den nicht. Und der Friedrich Wilhelm sagt zu ihm dann, sie sind also doch gekommen. Und damit meinte er nicht den Arndt speziell, sondern diese Kaiserdeputation. Weil nämlich klar ist, dass er eigentlich vorher wahrscheinlich schon mal gesagt hat, lass es doch bitte. Ich sage sowieso nein. Hat er dem Arndt geschrieben und auch ein paar anderen Leuten. Und deswegen meinte er, sie sind also jetzt doch gekommen. Hat sich wohl gelohnt, wa?
Solveig
01:31:06
Ein bisschen peinlicher für euch.
Daniel
01:31:08
Ne? So, und abschließend möchte ich jetzt nochmal, weil es ist immer ganz interessant, Friedrich Wilhelm nicht nur in den öffentlichen Äußerungen zu hören, sondern auch das andere Gesicht zeigt er dann meistens im privaten Brief. Wurde dann auch erwähnt, dass er Herrn Arndt eigentlich schon gewarnt hat, dass sie sich die Reise sparen könnten. Aber Herr Arndt das irgendwie nicht weitergegeben hat, weil er wahrscheinlich auch die Hoffnung hatte, jetzt mit dieser patriotischen Tour, die sie da noch machen, Dann kriegen wir vielleicht auch noch was rausgeschlagen.
Solveig
01:31:36
Wenn wir ihn voll veränderte Tatsachen stellen, dann kann er ja gar nicht nein sagen.
Daniel
01:31:40
Und wenn dann sogar der Prinz Wilhelm jetzt für die Einheit ist. Sogar der. Am selben Tag, wahrscheinlich bevor er hier zu dem Abendempfang gegangen ist und dann da so gut drauf war und Witze gemacht hat, ach sie sind doch gekommen. Zwischendrin, auf dem Weg von Rede zu Abendempfang, hat er seinem Cousin Ernst August von Hannover noch einen Brief geschrieben. Und Ernst August ist ja nun wirklich auch so ein ganz sympathischer. Das ist ja der damals in Göttingen die Professoren rausgeschickt. Rausgeschmissen hat, weil sie irgendwie an der Verfassung hingen, die er einfach mal abgeschafft hat. Und der hat sich hier zwischendurch auch bei Friedrich Wilhelm stark gemacht. So räum mal auf. Und Friedrich Wilhelm schreibt dem jetzt am 3. April noch nachmittags zurück wahrscheinlich. Ich habe alles, was ich konnte getan, um die afröse Deputation von Berlin abzuhalten. Das Ministerium stimmte leider nicht mit mir. Der offizielle Weg war also verschränkt. Dennoch schrieb ich zwei Antworten. An den alten Arndt und an Herrn von Beckerath. Auf dringende Briefe. Die Antworten waren, was man sagt, geharnischt und deutlich, und ich erklärte ihnen, von einer eigentlichen Antwort könne notwendigerweise gar nicht die Rede gegenüber dieser Deputation sein. Man nehme nur das an und schlüge nur das aus, was angeboten werden könne. Die Paulskirche aber habe keine Krone anzubieten und ich folglich keine auszuschlagen und anzunehmen. Diese sogenannte Krone sei aber schon an sich keine Krone, wohl aber ein Hundehalsband, mit dem man mich an die Revolution von 48 ketten wolle. Und dazu wäre ich zu gut. Die Herren möchten also alles, was sie könnten tun, um den Skandal dieser Deputation abzuwenden. Die Herren haben nicht getan, was ich sie bat. Und so ist diese inqualifiable Deputation gekommen. Jetzt war Holland in Not. Denn ich bin von vorn bis hinten in dieser Sache ganz wie sie gestimmt. Holland in Not. Nicht Polen offen, sondern Holland in Not. So geht der Glanz der Welt dahin. Aber wer weiß, vielleicht der Prinz von Preußen. Später mal Kaiser. Wir danken euch an diesem traurigen Tag, dass ihr immer noch dabei geblieben seid, hoffentlich bei Flurfunk Paulskirche oder uns wiederentdeckt habt. Und ja, bleibt nicht so deprimiert zurück. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Man könnte meinen, dieser Podcast endet hier, aber nein. Wer weiß, vielleicht schon in einem Jahr erfahrt ihr, wie es hier weitergeht. Denn natürlich fahren die erstmal nach Frankfurt zurück. Und ja, wir schauen uns mal die Reaktionen an. und ob dann alle einfach so nach Hause fahren oder ob es da nicht vielleicht doch noch eine Chance gibt. Und irgendwie hat sich auch so ein bisschen die Idee schon in Berlin festgesetzt. Also so ganz abstrus war es dann vielleicht doch nicht, diese Idee Preußen an die Spitze eines deutschen Staates zu stellen. Und selbst Friedrich Wilhelm Vier scheint doch da so ein bisschen auf den Geschmack gekommen zu sein. Aber bis dahin wünschen wir euch alles Gute. Danke, dass ihr dabei seid. Vor allem, dass du dabei warst, hier durchgehalten hast. Dich unter die Abgeordneten heute mal gemischt hast und irgendwie in überraschend guter Stimmung bist nach anderthalb Stunden Flurfunk Paulskirche. Dann machen wir hier noch weiter. Macht's gut. Bis dann.
Solveig
01:35:11
Tschüss.

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